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Jahreslosung 2026

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! Off 21,5 (L)

Alles neu!? 

Die Jahreslosung „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ ist umso tröstlicher, je schwieriger die Verhältnisse sind, in denen wir leben. Sie könnte z. B. einer ständig von ihrem Mann kritisierten Frau Kraft geben, dem Meckern standzuhalten und ihren Wert und ihre Würde zu bewahren. Überlebenswichtig ist diese Hoffnung wohl für Menschen in Kriegsgebieten wie der Ukraine und Gaza/Israel/Palästina und für die vielen Geflüchteten weltweit. 

Auch der Verfasser der Offenbarung des Johannes, der sog. Apokalypse, wollte seine Adressaten trösten. Seine Visionen und Briefe sollten die verfolgten Gemeinden im Römischen Reich Anfang des zweiten Jahrhunderts n. Chr. ermutigen, an der Hoffnung auf Gott festzuhalten. Dass Gott alles neu macht, schreibt er im letzten Kapitel (Off. 21,5). Das bedeutet also, Gott macht Gewaltherrschaft und Unterdrückung, Krieg und Leid ein Ende. Gottes Kraft ist stärker als die der Mächtigen.

Das erleben Menschen immer wieder. Mächtige können binnen weniger Tage vom Thron stürzen. So bewirkten zuletzt im Dezember 2024 oppositionelle Kräfte in Syrien in wenigen Tagen den Sturz des Assad-Regimes. In Deutschland waren im Herbst 1989 Kerzen und Gebete stärker als die bewaffneten Sicherheitskräfte, Stasispitzel und Ideologen der DDR, als immer mehr Menschen mutig und friedlich für ihre Rechte demonstrierten.

Manche sehen und sahen da Gott am Werk. Aber Gott hat keine Hände, keine Füße, keine Augen und Ohren - nur unsere. Mit uns, oder wir mit Gottes Hilfe, können Verhältnisse verändern. Wenn das zum Guten geschieht und lebensdienlich ist, bekommen wir einen Vorgeschmack auf das Leben in Gerechtigkeit und Frieden in Gottes Reich, von dem Jesus sagt, es ist schon mitten unter uns (Lukasevangelium 17,21). 

Die Verheißung „Siehe, ich mache alles neu!“ klingt aber nicht für alle hoffnungsvoll. Manche empfinden sie eher als bedrohlich, sie wollen nicht noch mehr Wandel. Sie wünschen sich zurück in ruhigere Zeiten mit festen Ordnungen für alle. Das Leben heute ist ihnen zu vielfältig und unübersichtlich, zu unklar und verwirrend. 

Veränderungen gibt es auch im Frauenbund, seinen Ortsverbänden und in den Kirchengemeinden. Mitgliedszahlen sinken, Einnahmen und Mitarbeitende fehlen, an allen Ecken und Enden muss gespart werden. Vielfacher Strukturwandel muss bewältigt werden. Das fällt schwer und kostet Kraft. Es beunruhigt und erzeugt Abwehr. Die Jahreslosung könnte uns helfen, diesen Wechsel mit Zuversicht zu gestalten. Denn sie verspricht uns Gottes Geleit in all diesen Prozessen.

Dabei könnte es hilfreich sein, für sich selbst und miteinander zu klären: Ist das Glas für mich / uns halbleer oder halbvoll? Erkenne ich / erkennen wir die in jeder Krise liegende Chance? Kann ich / können wir positiv denken - oder resignieren wir schnell? Bin ich / sind wir bereit für Neues oder klammern wir uns an Vertrautes?

Als Christinnen und Christen kennen wir die Hoffnungsbotschaft Gottes für uns und diese Welt. Gott mit uns macht alles neu – mit und für uns alle. Mit Gottes Hilfe dürfen auch wir wie Paulus bekennen: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ (Röm. 8,28) 

Die Jahreslosung „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ könnte dann auch denen Kraft und Mut für die Zukunft geben, die Neues eher befürchten als erhoffen. Sie könnte uns ermutigen, uns gegen Bedenken und Widerstände auf den Wandel einzulassen. Im Kleinen wie die Nutzung eines Smartphones, um mit Enkeln und Urenkeln Kontakt zu halten, wie im Größeren mit einer neuen Verbandsspitze im DEF mit anderen Personen, Themen und Veranstaltungsformen. Denn Neues bedeutet nicht nur, manchmal beherzt Altes über Bord zu werfen, sondern kann auch langsames Reifen des Neuen bedeuten. Wir dürfen jedenfalls beim Einen wie beim Anderen auf Gottes gutes Geleit vertrauen und uns den Weg von Gott weisen lassen. Die Jahreslosung „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ wird so ein Hoffnungswort für uns alle in all unserer Verschiedenheit. 

Sabine Ost, Pfrn .i.R.

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