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„Überlasst die Welt nicht den Wahnsinnigen“ Nachruf auf Rita Süssmuth

Prof. Dr. Rita Süssmuth, frühere Präsidentin des Deutschen Bundestages und CDU-Politikerin, verstarb am 1. Februar 2026 im Alter von 88 Jahren.

Mit ihrem Tod verliert unser Land eine der prägenden Frauen der deutschen Nachkriegsgeschichte: eine leidenschaftliche Demokratin, eine Brückenbauerin und eine unermüdliche Streiterin für Menschenwürde und Gleichberechtigung.

Rita Süssmuth hat Politik nie als Machtinstrument verstanden, sondern als Dienst am Menschen. Als Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit sowie später als Bundestagspräsidentin setzte sie Maßstäbe – fachlich kompetent, dialogbereit und von einem tiefen christlichen Werteverständnis getragen. Ihr Engagement für die Rechte von Frauen, für eine humane Migrationspolitik und für eine offene Gesellschaft war von Mut und Weitsicht geprägt.

In ihrer eigenen Partei eckte sie immer wieder an. Mit liberalen, von christlicher Verantwortung getragenen Positionen widersprach sie dem Zeitgeist ebenso wie parteiinternen Widerständen. Sie tat dies nicht aus Prinzip, sondern aus Überzeugung. Für sie war die Gleichberechtigung von Frauen kein Randthema, sondern eine Frage der Gerechtigkeit. Sie ermutigte Frauen, Führungsverantwortung zu übernehmen, und setzte sich beharrlich für bessere Rahmenbedingungen ein, damit Familie und Beruf vereinbar werden. Bis zuletzt war sie Ehrenmitglied beim Verein „Parité in den Parlamenten“

Der Deutsche Evangelische Frauenbund (DEF) fühlt sich der Katholikin Rita Süssmuth in besonderer Weise verbunden. Denn ihr Denken und Handeln waren getragen von einem Glauben, der Freiheit und Verantwortung zusammenführte. Sie wusste um die Kraft von Bildung, Dialog und Solidarität – und sie lebte diese Werte glaubwürdig vor.

„Rita Süssmuth war eine außergewöhnliche Frau, die mit Klarheit, Mut und Herz Politik gestaltet hat. Sie hat Grenzen verschoben – für Frauen, für Minderheiten, für unsere Demokratie. Begegnete bin ich ihr bei einer Tagung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Kooperation mit der WHO-Europa, kurz bevor sie Bundesministerin wurde. Sie war beeindruckend, eine meinungsstarke Frau bei dem Thema ‚Familienstrukturen und Gesundheit‘; dabei voller Respekt und Interesse an den Erfahrungen aus anderen Ländern und eine engagierte Diskutantin. Für mich, damals als junge Frau, durchaus ein Vorbild und als streitbare Frauenrechtlerin blieb sie das auch“, so Johanna Beyer, Verwaltungsratsvorsitzende des DEF-Landesverbandes Bayern

Der Trauerstaatsakt für die verstorbene frühere Bundestagspräsidentin findet am 24. Februar 2026 statt und wird öffentlich übertragen. Wir laden dazu ein, diesen Moment des gemeinsamen Gedenkens an diese ungewöhnliche und unbequeme Frau zu nutzen.

Katharina Geiger

Bildquelle: nds.wikipedia.org
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