Sollten wir unseren Garten nicht mehr gießen??
Gedanken von Ursula Moshandl
Immer wenn es draußen heiß wird, entbrennt wieder die Debatte, ob Gartenbesitzer noch ihre Gärten gießen dürfen sollten. Das Wasser wird knapp, und an den Hochsommertagen wird es wieder deutlich und bereitet Sorgen.
Aber wäre diese Einschränkung wirklich sinnvoll? Pflanzen tragen zur Luftverbesserung bei, Pflanzen kühlen die Luft, Pflanzen nähren uns. Und sie sterben, wenn sie kein Wasser bekommen. Auch Kleingärten, die keine Nahrungsmittel produzieren, nützen dem Klima. Ein weiteres Argument für das Gartengießen ist der Umstand, dass das Wasser auf diese Weise wieder seinen natürlichen Weg geht, indem es schließlich wieder zu Grundwasser wird. Im Gegensatz dazu fließt alles andere Wasser in die Kanalisation, von dort in Kläranlagen, in Flüsse und schließlich ins Meer, von wo es nach langer Zeit vielleicht mal als Regen wiederkommt. Nicht zu vernachlässigen ist die Tatsache, dass ganz viel Abflusswasser hochgradig verschmutzt ist durch Waschmittel, Dusch- und Spülmittel, Kosmetika, Medikamente, Unrat und vieles mehr. Dass wir für die Vorgänge des Waschens und Reinigens immer Trinkwasser verwenden, ist ein großes Problem. Brauchwasserleitungen wären eine Idee, allerdings technisch schwer zu realisieren. Forschungsprojekte hierzu gibt es bereits seit Jahren.
Die Grundwasserspiegel sinken seit vielen Jahren, vor allem durch Baumaßnahmen, aber auch, weil wir insgesamt zu viel Wasser entnehmen. Die Gärten und Grünflächen in Stadt und Land sind in dieser Zeit aber nicht mehr geworden. Im Gegenteil: „Etwa 45 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen sind in Deutschland aktuell versiegelt, das heißt bebaut, betoniert, asphaltiert, gepflastert oder anderweitig befestigt.“ (Umweltbundesamt, 2026) Eine wundervolle Möglichkeit wäre, Flächen wieder zu entsiegeln, wie es die Niederländer seit einigen Jahren betreiben. Die Nationale Meisterschaft „Tegelwippen“ (Kachelkippen) ist ein jährlicher Wettbewerb in den Niederlanden, der 2020 ins Leben gerufen wurde, und bei dem im ganzen Land graue Steinplatten und Fliesen gegen Pflanzen ausgetauscht werden (www.energieleben.at). Entsiegelung ist auch bei in Deutschland im Gespräch, wird jedoch durch allerlei bürokratische Hindernisse erschwert. Förderungen von Entsiegelungsmaßnahmen in den Kommunen und Gesetzesänderungen wurden zwar versprochen, aber nicht umgesetzt. Ihr Sinn ist vielfach wissenschaftlich bestätigt (siehe Umweltbundesamt/Publikationen). Stattdessen verschwinden in Deutschland weiterhin täglich 55 Hektar Land unter Asphalt und Beton. (www.lbv.de, 2026).
So wird es mit dem Klima nicht besser! Die Hochwassergefahr steigt, die Arten verschwinden, der Boden kann kein Wasser mehr speichern, die Hitze nimmt zu. Obendrein ist es unverständlich, dass weiterhin in großer Zahl Bäume gefällt werden, auch wenn sie nicht krank sind.
Doch nicht nur diese Dinge fallen mir auf. Man könnte auch Wasser bei der Produktion sparen, bei vielen Gelegenheiten in der Industrie und in den Haushalten und überhaupt weniger konsumieren. Oder weniger verschmutzen. Hierzu sei auch der Artikel von Angelika Wollgarten im letzten def-aktuell empfohlen.
Wenn es uns ernst ist mit dem Erhalten der Schöpfung, dann sollten wir endlich tatkräftig dazu beitragen, anstatt immer mehr kaputtzumachen. Und die Gärten nicht mehr zu gießen, wäre das allerverkehrteste. Meiner Meinung nach. Gerne können Sie uns Ihre Meinung dazu schreiben.

