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Ruth Klüger ist gestorben

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In der Nacht vom 5. Auf den 6. Oktober ist in Irvine in Kalifornien im Alter von 88 Jahren Ruth Klüger gestorben. Sie war Literaturwissenschaftlerin, und ist aber mehr noch als durch ihre Forschungen bekannt geworden durch ihre autobiographischen Bücher. Denn Ruth Klüger, Jahrgang 1931, war eine Überlebende des Holocaust. Schon als Mädchen in ihrer Heimatstadt Wien in der Schule und der Freizeit diskriminiert, ist es für sie das Lesen gewesen, das ihr eine Welt geboten hat, von der sie sonst ausgesperrt war. Den Vater und bewunderten großen Bruder verlor sie durch die Shoa, aber sie selbst überlebte, durch Zufall und nur deshalb, weil ihr ein Mädchen riet, sich drei Jahre älter auszugeben um als arbeitsfähig nicht aussortiert zu werden. Ihre Mutter und sie überlebten die Lager und die Vernichtung. Sie strandete in Straubing, konnte Abitur machen und ein Studium in Regensburg beginnen. Dann wanderte sie mit ihrer Mutter 1947 in die USA aus. Guter Literaturunterricht auf dem College wies ihr die Bahn in die Literaturwissenschaft, die aber nicht geradlinig verlief. Zum Studium nahm sie mehrere Anläufe, aber wurde dann eine der wenigen Professorinnen, die es für Literaturwissenschaft und ihr Fach die Germanistik überhaupt gab.

Die Nummer im Unterarm blieb diskriminierend, auch auf dem weiteren Lebens- und Bildungsweg, selbst in Amerika, dem ersten Land der freien Welt. Klüger, empfindlich für Benachteiligungen, spürte akademisch den Zeugnissen und Wurzeln des Antisemitismus in der deutschen Literatur nach und thematisierte aber auch die systematische  Diskriminierung von Frauen im akademischen Lehrbetrieb. Ihre Ehe scheiterte nach neun Jahren. Selbständigkeit war ihr wichtig. Bildung ermöglicht Freiheit, in der Bildung arbeiten ermöglichte auch ihr das materiell gesicherte und freie Leben.

Ruth Klüger war Wissenschaftlerin, und eine Feministin. Ihr scharfer Verstand legte nicht nur den Antisemitismus, sondern auch die ständigen Benachteiligungen gegenüber Frauen bloß. Sie tat den Menschen und Institutionen insgesamt nicht den Gefallen, ihnen die Kritik zu ersparen. Ruth Klügers Geist war rege und unbestechlich. 

Sie hatte eine lange Laufbahn als Professorin bereits hinter sich, als sie ihr Leben wieder nach Europa und nach Deutschland brachte. In Göttingen und dem dortigen gebildeten Umfeld konnte sie es aushalten, hingegen blieb ihr Verhältnis zu ihrer Heimatstadt Wien gespalten. Ihre Erinnerungsbücher, vor allem „weiter leben“ von 1992 und das feministische Literaturbuch „Frauen lesen anders“ von 1996  wurden große Erfolge. Sie hat sich dem Publikum auf zahlreichen Vorträgen und Lesereisen gestellt. Die große Achtung, die sie sich auf den Vorträgen erworben hat, vor ihrer Person und ihrem Leben, ist ihr von den Menschen im Saal und von den Institutionen durch eine große Anzahl Ehrungen immerhin erzeigt worden. In Deutschland denken wir besonders an die Rede Ruth Klügers im Deutschen Bundestag, in dem sie 2016 zum Holocaust-Gedenktag sprach. Ihr Zeugnis und ihre klaren kritischen Aussagen werden hoffentlich im Gedächtnis bleiben.

Bettina Marquis

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