Jüdisches Leben in München – Synagogen, Persönlichkeiten und Unternehmerfamilien
Der Deutsche Evangelische Frauenbund, Ortsverband München, lud am 5. Mai 2026 zu einer Stadtführung mit der Historikerin Adelheid Schmidt-Thomé ein. Sie eröffnete den Teilnehmenden einen eindrucksvollen Blick auf die jüdische Geschichte Münchens - eine Geschichte voller kultureller Impulse, gesellschaftlicher Brüche und lebendiger Gegenwart. Die Route führte zu historischen Orten jüdischer Synagogen sowie zu Wohn- und Wirkungsstätten bedeutender jüdischer Persönlichkeiten und Unternehmerfamilien, die München nachhaltig geprägt haben.
Jüdisches Leben in München lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Immer wieder wurde die Gemeinde durch Vertreibungen, Restriktionen und Pogrome zerstört und neu aufgebaut. Besonders im 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich München zu einem Zentrum jüdischer Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft.
Die Führung machte deutlich, wie eng die jüdische Geschichte mit der Entwicklung der Stadt verwoben ist – und wie viele Spuren trotz der Zerstörung durch das NS-Regime bis heute sichtbar geblieben sind.
Im Mittelpunkt standen die historischen Synagogenstandorte, darunter die 1938 zerstörte Hauptsynagoge am Jakobsplatz und die ehemalige Synagoge in der Reichenbachstraße (1904-1938). Sie war ein wichtiger religiöser und sozialer Treffpunkt der liberalen jüdischen Gemeinde. Heute erinnert nur wenig an das einst lebendige Gemeindeleben, doch Schmidt-Thomé machte die historische Bedeutung des Viertels anschaulich. Mit der neuen Ohel-Jakob-Synagoge, dem Gemeindezentrum und dem Jüdischen Museum (seit 2006) ist hier ein kraftvolles Zeichen jüdischer Gegenwart entstanden. Die moderne Architektur symbolisiert Offenheit, Verwurzelung und Neubeginn.
Die Führung erinnerte an bedeutende jüdische Unternehmerfamilien, die München wirtschaftlich und kulturell prägten, darunter die Familien Schülein, Landauer, Bernheimer und Rosenthal. Die Familie Schülein – Besitzer der Löwenbräu-Brauerei; ihr Engagement prägte Münchens Wirtschaft und Wohlfahrt.
Die Familie Landauer – Unternehmer und Mäzene; Kurt Landauer wurde als Präsident des FC Bayern zu einer Ikone der Vereinsgeschichte.
Die Familie Rosenthal – Bedeutende Kunst- und Antiquitätenhändler, die Münchens Ruf als Kunststadt mitprägten.
Die Familie Bernheimer – Betreiber des berühmten Bernheimer-Hauses am Lenbachplatz, ein Zentrum für Kunsthandel und Luxuswaren.
Diese Beispiele zeigen, wie jüdische Unternehmerfamilien Münchens wirtschaftliche Modernisierung vorantrieben und kulturelle Impulse setzten.
Die Führung würdigte auch Frauen, deren Wirken lange Zeit im Schatten stand, wie z.B. Anita Augspurg – Juristin, Frauenrechtlerin, Pazifistin; eng verbunden mit jüdischen Netzwerken der Reformbewegung, Lilly Reichmann und die Frauen des Jüdischen Frauenbundes – Aktiv in Wohlfahrt, Bildung und sozialer Arbeit; sie prägten das soziale Gefüge der Stadt. Diese Frauen stehen stellvertretend für viele, deren Engagement München kulturell und gesellschaftlich bereichert hat.
Die Teilnehmenden erhielten nicht nur historische Informationen, sondern auch neue Perspektiven auf vertraute Orte und ein vertieftes Verständnis für die Vielfalt Münchens. Die Führung zeigte, wie reich und zugleich verletztlich jüdisches Leben in München war und ist. Sie zeigte die kulturellen Leistungen jüdischer Bürgerinnen und Bürger, die Zerstörung durch das NS-Regime und die heute lebendige Wiederkehr jüdischer Kultur. Für die Teilnehmenden war es ein inspirierender, nachdenklicher und bereichernder Spaziergang durch die Geschichte und Gegenwart der Stadt.
Maren Puls (mit KI unterstützt)
