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Für Sie gelesen: von Hannelore Täufer, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Haushaltsführungskräfte - Förderkreis in Bayern (AEH)

AEH |

In loser Folge möchte ich Ihnen gerne kommentiert Informationen weitergeben, die mir beim Lesen der Tageszeitung oder verschiedener Newsletter auffallen.

Die Zeit, am 12.August 2021

Ich bin`s nicht.

Der Bericht der Klimaforscher ist erschreckend und epochal. Doch die Welt regiert darauf zu schwach. Warum bloß?

Ein Kommentar von Elisabeth Raether

Alle sechs Jahre wertet der Weltklimarat, der IPCC, tausende Studien zum Klimawandel aus. Wer keine Zeit hat, ihren diese Woche veröffentlichten Bericht zum katastrophalen Zustand des Planeten selbst zu lesen, hat schon den Film zum Buch: Menschen, die mit Zweigen in ihren bloßen Händen auf Flammen einschlagen; Feuerwehrmänner, die andere mit Gewalt davon abhalten müssen, in ihre brennenden Häuser zurück zu rennen; U-Bahn-Fahrgäste, denen das Wasser bis zum Hals steht. Deutsche Fußgängerzonen schlammverwüstet.

Der Sechste Sachstandsbericht des IPCC formuliert es etwa so: „Seit dem Fünften Sachstandsbericht gibt es stärkere Belege für beobachtete Veränderungen von Extremen wie Hitzewellen, Starkniederschläge, Dürren und tropische Wirbelstürme sowie insbesondere für deren Zuordnung zum Einfluss des Menschen.“

Was so trocken daherkommt, ist in Wahrheit epochal: Weil nun als sicher gelten muss, dass die Klimakrise menschengemacht ist; weil seit Monaten niemand mehr sagen kann, es sei noch Zeit; und vor allem weil die Sache noch halbwegs glimpflich ausgehen, also die Erhitzung bei 1,5 Grad gehalten werden kann. Seit vierzig Jahren weiß die Menschheit vom Klima-Effekt, doch nun weiß sie etwas mehr. Das Zeitalter der Ausreden ist vorbei.

Und wie reagiert nun die Menschheit auf die Bedrohung, die sie sich selbst zufügt? Fast gar nicht, denn die Menschheit gibt es nicht. Was es gibt, sind: Konzerne, Staaten und Einzelne. Und alle zeigen aufeinander.

Darüber hinaus gibt es noch sehr reiche Staaten mit beträchtlicher Verschmutzungsgeschichte, auf die man ganz besonders schaut. Einer davon ist Deutschland, das ein Vorbild sein könnte, aber wahrlich nicht überall eines ist. Nur, warum nicht?

Oder gibt es nach dem erschütternden IPCC-Bericht Krisensitzungen? Ministerpräsidentenkonferenzen? Irgendetwas? Nein. Auch wenn man die Kandidatinnen und Kandidaten fragt, welche Klimapolitik sie denn konkret anstreben, gelangt man nicht zu dem Eindruck, das Thema werde mit besonderer Dringlichkeit behandelt. Zwar hat die Regierung kürzlich beschlossen, dass Deutschland von 2045 an „klimaneutral“ sein soll, aber was das heißt und wie man dahin kommt, sagt niemand.

Auch die Grünen nicht. Geht es um den Flugverkehr, sitzen auch sie – ganz wie die FDP – auf Wasserstoff, der zwar tatsächlich klimaneutral sein kann, aber den Nachteil hat, dass er bis auf Weiteres noch nicht gebrauchsfertig existiert. Seltsam, dass sich das Wahlvolk im Angesicht der Zerstörung mit magischem Denken abspeisen lässt.

So kann auch die CDU weitgehend ungestraft behaupten, sie müsse erst mal einen „Kassensturz“ machen, und zwar nach der Wahl, vorher könne man gar nichts sagen, so die Partei, die seit sechzehn Jahren über Land und also Kassen regiert. Und wie wir die durch einen CO2-Preis gestiegenen Heizkosten umlegen, das können wir auch noch nicht sagen, so Armin Laschet, man werde sehen. Er nennt seine Methode: “Ich polarisiere nicht“. In Wirklichkeit ist es eine Respektlosigkeit, zu verlangen, man solle ihn halt einfach wählen.

Warum lässt eine aufgeklärte Öffentlichkeit so mit sich reden? Warum lässt sie sich von einem Politiker den Kopf beruhigend tätscheln?

Nun, irgendwas daran kommt den Wählern zupass. Man braucht ja keinen Sechsten Sachstandsbericht, um zu wissen, was klimaschädliches Verhalten ist. Doch der Fleischkonsum ist nur minimal rückläufig und das vor allem wegen Dürren und Tierseuchen, die die Produktion einschränken. Der Anteil besonders schwerer, großer Neuwagen nimmt weiter zu. Jeder Deutsche kauft etwas sechzig Kleidungsstücke pro Jahr und trägt sie halb so lange wie vor fünfzehn Jahren.

Die Grünen haben denen ein Argument geschenkt, die ihr Verhalten nicht ändern möchten: Man wolle niemandem etwas verbieten, sondern die „Strukturen“ verändern, lautet das grüne Mantra; woraus ein schlauer Wähler schließt, er als Einzelner trage keine Verantwortung. So kann auch der Grünen-Wähler weitermachen wie bisher: „Ich bin`s nicht, die Strukturen sind´s.“

Die Politik in Deutschland zeigt auf die Bürger, und die Bürger zeigen auf die Politik. Doch das verleugnet die wichtigste Botschaft des Berichts: Es bleibt nur noch wenig Zeit, weswegen die Frage leicht zu beantworten ist, wer am meisten tun kann. Nämlich alle zugleich: Konzerne, Staaten – und jeder Einzelne.“

Liebe Leserinnen und Leser,

dieser Artikel war auf der 1.Seite der ZEIT vom 12. August 2021. Ich konnte davon kein Wort, keinen Satz und keinen Absatz weglassen. Jedes einzelne Wort entspricht dem Gefühl, dass mich schon vor der Veröffentlichung des IPCC-Berichts umgetrieben hat. Viele Ziele werden formuliert – von der Politik, der Wirtschaft, dem Handel – aber es sind alles nur Absichtserklärungen. So retten wir unseren Planeten nicht. Zeigen wir Einzelne durch unser bewusstes Verhalten und aktives Tun, dass wir die Verantwortung für die Erde für unsere Kinder und Enkel tragen.

Ihre Hannelore Täufer

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© Foto: pixabay.com

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