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Die Bloggerszene in Kuba – (k)ein Beispiel für Pressefreiheit

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Kuba gilt gemeinhin nicht als Paradies der Pressefreiheit. Auf der Rankingliste von „Reporter ohne Grenzen“ für das Jahr 2015 steht das Land auf Platz 169 von 180 Staaten, also am unteren Ende der Freiheitsskala (vgl. www.reporter-ohne-grenzen.de/kuba/). Das mag lange Zeit für die staatlich gelenkte Presse und das Fernsehen gegolten haben, aber seit dem Einzug der Online-Medien ist Schluss mit dem Monopol der Staatsmedien. Natürlich gibt es die auch schon online, z.B. Granma, die Zeitung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas (auf Deutsch: http://de.granma.cu/).

Yoani Sánchez - freie Journalistin und Pionierin der Bloggerszene auf Kuba

Der eigentliche und wörtlich zu nehmende Aufbruch in die Pressefreiheit ist jedoch das Werk einer Frau. Yoani Sánchez gehört zu den bekanntesten und umstrittensten Journalistinnen Kubas, seit sie im April 2007 den Blog Generación Y gründete. Die entsprechenden Kenntnisse hatte sie sich während eines Aufenthalts in der Schweiz angeeignet. Der Name des Blogs bezieht sich auf die kubanische Tradition, dass die nach 1970 geborenen Kindern Vornamen, die mit Y beginnen, erhielten (wie eben auch Yoani); der Blog gilt daher als Stimme der Generation von Kubanern und Kubanerinnen, die in den „goldenen Jahren“ Kubas geboren und durch den plötzlichen Abbruch der Beziehungen zur Sowjetunion gezwungen wurden, mit der Notökonomie Kubas der 1990er Jahre zurechtzukommen. Diese Generation gehört heute zu den schärfsten Kritikern der kubanischen Regierung.

Als ich die Beiträge dieses Blogs im Jahr 2008 zum ersten Mal las, fiel mir auf, wie poetisch sie geschrieben waren (deutsche Version: https://generacionyde.wordpress.com/). Das war keine Berichterstattung und noch weniger eine politische Kritik, es waren eher in einer sehr persönlich gehaltenen Sprache verfasste Tagebucheinträge zum Alltagsleben in Kuba. Gleichzeitig ein Zustandsbericht und eine Liebeserklärung. So beschreibt sie beispielsweise den Versuch, Zitronen aufzutreiben, um ihre Erkältung zu kurieren, was letztendlich erfolglos bleibt. Dabei stellt sie die Frage, wie es denn sein könne, dass ein so fruchtbares Land wie Kuba nicht ausreichend landwirtschaftliche Güter produziere, um die Bevölkerung zu versorgen. Für diesen Blog erhielt Yoani Sánchez von der westlichen Presse jede Menge Lob und auch Preise, während sie in Kuba bis heute als Handlangerin des kapitalistischen Auslands verteufelt wird. Inzwischen wird der Blog in 18 Sprachen veröffentlicht und verfügt über einen mächtigen Unterstützerkreis, auch aus Kreisen von Banken und IT-Firmen, welche die Kosten einer Veröffentlichung in diesem Umfang überhaupt erst möglich machen.

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Seit Mai 2012 schreibt Yoani Sánchez in einem spanischsprachigen Blog für die Zeitung El País (http://blogs.elpais.com/cuba-libre/), in dem sie von einem pluralistischen und inklusiven Kuba träumt, in der „das Wort, nicht die Gewehre, die Bürger und nicht die olivgrünen Uniformen [der Militärs]“ regieren.

Es gibt inzwischen viele liberale Blogger


Yoani Sánchez‘ Blog ist aber nur einer von vielen. Wer sich einen Überblick über die wichtige liberale Bloggerszene verschaffen will, sieht auf der Seite www.desdecuba.com die Einstiegsbilder der Journalisten, welche eigene Blogs verfassen. Dort findet man auch www.14ymedio.com, die erste Online-Zeitung Kubas, die auch auf Englisch verfügbar ist. Neben dieser gibt es aber eine Menge Online-Zeitschriften, wie z.B. die in Nicaragua basierte www.havanatimes.org, welche einen Gegendiskurs zur offiziellen Presse führen und die kubanische Realität mit zahlreichen Bildern illustrieren. Ich habe manchmal den Eindruck, als werde ein Wettbewerb um die „echten“ Bilder geführt, die nicht nur das touristische, sondern das alltägliche und für die Kubaner oft so schwierige Kuba zeigen.

Regierungsblogs und zuwenig Internetzugänge

Als Reaktion auf die in den letzten Jahren immer aktiver werdende Bloggerszene hat sich die kubanische Regierung dazu entschlossen, selbst eine Blogosphäre zu lancieren, um möglichst ein Gegengewicht gegen die liberalen Blogger herzustellen. Beispiele hierfür sind www.yohandry.com und http://cambiosencuba.blogspot.it, die immer wieder Yoani Sánchez und ihren Ehemann direkt angreifen, aber auch http://cubanitoencuba.com, welcher die Unabhängigkeit Kubas vom Ausland in den Vordergrund stellt.

Das Hauptproblem ist und bleibt aber die mangelnde Versorgung des Inselstaates mit funktionstüchtigen Internetzugängen. Nur in einigen Jugendclubs, in Havanna und in den Touristenhotels gibt es Internet, und das ist für den Durchschnittskubaner viel zu teuer (vgl. www.havanatimes.org/?p=116490), etwa 10 Dollar pro Stunde bei einem Monatsverdienst von 20 Dollar. Hier wird von der Regierung die eigentliche Hürde für die Entstehung einer kubanischen Zivilgesellschaft aufgestellt: nur wer genug Geld hat, kann sich national und international Gehör verschaffen und über ein neues Kuba mitdiskutieren. Wirkliche Bürgerbeteiligung sieht anders aus!
Daran wird auch der jüngste Besuch Barack Obamas in Kuba nicht so schnell etwas ändern, auch wenn er ankündigte, dass Google die Insel mit mehr Internet versorgen werde (www.habanalinda.com/abren-nuevo-cent...le-en-cuba/). Ein Künstler namens Kcho will allerdings noch schneller Internet in seinem Atelier für das Publikum verfügbar machen: kein Wunder, ist er doch einer der größten Bewunderer Fidel Castros und insofern mit allen möglichen Privilegien ausgestattet (https://de.wikipedia.org/wiki/Kcho).

Katharina Städtler (EAM Bayreuth)

Bildnachweis: Weltkugel auf Tastatur; von Thorben Wengert/pixelio.de

Zitrone; von Michael Kühnel/pixelio.de

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