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Social Media - Zwischen Orientierung und Verantwortung

EAM |

Bericht über die gemeinsame Tagung am 8. Oktober 2022 in Bayreuth. Dass eine Tagung über soziale Medien in Zusammenarbeit mit einer Akademie für Politische Bildung ausgetragen wird, zeigt schon die politische Dimension, welche diesen Plattformen heutzutage zugeschrieben wird, neben ihrer wirtschaftlichen, ästhetischen u.a.

Darauf wiesen auch die beide Tagungsleiterinnen, Sabine Jörk, Vorsitzende der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft Medien (EAM) und Dr. Kinza Khan, Dozentin für Medien, Journalismus und Politische Kommunikation der Akademie für Politische Bildung Tutzing in ihrer Einführung hin.

Noch keine 20 Jahre alt, haben Facebook, YouTube, Twitter, Instagram, Telegram, TikTok und Co. inzwischen die Nische der Jugendkultur verlassen und sich nicht nur als milliardenschwere Werbeträger für alle Zielgruppen profiliert, sondern auch als Sprachrohr politisch fragwürdiger und sogar gefährlicher Gruppen. Da deren Anhängerinnen und Anhänger zur „Blasenbildung“ neigen, also zur Abschottung gegenüber Andersdenkenden, ist die Orientierung, die man auf den Gruppenseiten der Social Media findet, eher mit Desinformation gleichzusetzen und nicht zu vergleichen mit der Information durch seriöse Medien. Daraus resultiert die Verantwortung, über die sozialen Medien umfassend aufzuklären.

Dies unternahm zum Einstieg der bis auf den letzten Platz besetzten Tagung Prof. (FH) Dr. André Haller (Kufstein, Tirol) mit einem umfassenden Überblick über Grundlagen, Funktionen und Einfluss dieses Medientyps. Der Fall der Wiener Ärztin Lisa-Maria Kellermayr, die sich zunächst gegen Corona-Verschwörungstheorien stellte, aber schließlich unter dem Druck von Verleumdungen und sogar einer Morddrohung aus den sozialen Medien den Freitod wählte, zeigt eindrücklich, wie groß deren Macht im Einzelfall werden kann. Dadurch, dass im Web 2.0 jede und jeder nicht nur mitlesen, sondern auch mitschreiben und kommentieren kann, beeinflussen die sozialen Plattformen Wissen, Einstellung, Verhalten und Emotionen der Nutzenden. Unbestritten spielt auch die Schnelligkeit der Reaktionen des Publikums eine Rolle: Man überlegt nicht mehr lange, was man schreibt, sondern schickt seinen Kommentar schnellstmöglich ab, wodurch differenziertere Positionen ins Hintertreffen geraten.

Leonie Wunderlich (Leibniz-Institut für Medienforschung, Hamburg) stellte die Ergebnisse einer Forschungsstudie vor, die den Zusammenhang zwischen Bildungsniveau, Medienkonsum und Wissenserwerb von Mediennutzenden untersucht und – wenig überraschend – herausgefunden hatte, dass an Politik Interessierte ihr politisches Wissen sowohl über die klassischen journalistischen als auch über soziale Medien erweitern. Leider ging sie nicht auf den Aspekt der Geschlechterunterschiede ein, obwohl dieser in der Untersuchung erfasst wurde.

Über ihre eigenen Erfahrungen als Wissenschaftsvloggerin auf TikTok berichtete Prof. Dr. Judith Ackermann (www.tiktok.com/@dieprofessorin), die online aus Potsdam zugeschaltet wurde. In ihren Kürzestvideos (daher Vlog) antwortet sie auf Fragen ihrer Leserschaft zum Universitätsbetrieb und zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten, geht aber auch auf Aktuelles ein, z.B. auf Corona und das Ahr-Hochwasser. Sie unterstützt also das Lernen ihrer Studierenden außerhalb des Hörsaals. Die Vorteile dieses Mediums sieht sie daher in der immer und überall gegebenen Verfügbarkeit, der Reichweite, der Durchsuchbarkeit der Beiträge mit Hashtags und der Reproduzierbarkeit, z.B. durch Verlinkung und Weiterleitung. Durch die Kommentare und Fragen sei ein Thema nie wirklich abgeschlossen, sondern verändere sich immer weiter. Ein großer Nachteil dieses Formats sei die Gefahr, Falschinformation zu verbreiten bzw. die Nähe oder Vermischung mit Propaganda und Werbung.

Auf diese sogenannten Fake-News (falschen Nachrichten) und ihre verschwörungsgläubigen Rezipientinnen und Rezipienten ging Sarah Pohl von der Beratungsstelle Zebra in Freiburg i.Br. ein. Sie plädierte dafür, sich mit den Gründen des Fehlglaubens zu befassen und Verschwörungsgläubige nicht zu verurteilen – auch wenn man ihre Taten nicht gutheißen dürfe. Die Gründe lägen fast immer in der Biographie und den dadurch entstandenen Gefühlen der Betroffenen. Insofern könne nur eine Gesprächstherapie helfen.

Die stabilisierende Funktion der Verschwörungstheorien für ihre Gläubigen betonte auch Sophia Krafft vom SWR. Die „Blasen“ dienten der Orientierung der Nutzerinnen und Nutzer, gleichzeitig aber der Kontrolle darüber, was diese glauben sollten. Zur Unterscheidung von Fake-News und richtigen Nachrichten gibt es verschiedene Fakten-Check-Portale, z.B. von AFP (www.afp.com/de/produkte/afp-faktencheck) oder Deutsche Presseagentur (www.dpa.com/de/unternehmen/faktencheck). [Auch BR24 bietet einen Faktencheck an, den #faktenfuchs, auch aufs Handy.]

Wer den Vorträgen aufmerksam zuhörte, dem konnte zeitweise mulmig werden. Es wurde deutlich, wie sehr die sozialen Medien einerseits auf die Berichterstattung Einfluss nehmen und andererseits in unser Privatleben eindringen, nicht nur in das der Jugendlichen. Und wenn ich an meine beiden Nachbarjungen denke, dann kommt noch ein Aspekt hinzu, der noch gar nicht erwähnt wurde: Ihnen scheint es attraktiver, YouTuber oder TikToker zu werden und ihr Geld mit den Klicks ihrer Fans zu verdienen, als die Schule erfolgreich zu beenden und einen traditionellen Beruf zu ergreifen.

Dr. Katharina Städtler,
Medienkreis Bayreuth

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