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50 Jahre Mitglied im DEF – 50 Jahre ehrenamtlicher Einsatz für die Hauswirtschaft

AEH |

Anlässlich ihrer Ehrung im Ortsverband Schwabach blickt Johanna Ittner, AEH-Ehrenvorsitzende in Bayern, auf ihre 50jährige Mitgliedschaft im Deutschen Evangelischen Frauenbund (DEF) und seiner Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Haushaltsführungskräfte (AEH) zurück.

Ich wäre nie „Johanna“ geworden, wäre ich nicht Mitglied im DEF/AEH gewesen.

Es war ein Tag wie jeder andere im Herbst 1971, Ehefrau und Hausfrau, vier Kinder in Grundschule und Gymnasium und einen frisch verwitweten Vater mittags und abends am Tisch. Planen, einkaufen, kochen, waschen, putzen, nähen, Nachhilfelehrerin in vielen Fächern, das war`s?

Nein, ich habe in der Kantorei gesungen und 1962 einen Mütterkreis in Schwabach gegründet, um Austausch mit jüngeren Frauen zu haben, Treffen einmal im Monat abends. Das hat gutgetan.

Da gab es auch noch den Frauenbund in Schwabach, mit Treffen 2-mal im Monat am Montagnachmittag, dort war die Generation meiner Mutter, viele alte Frauen.

Just an so einem trüben Novembertag kommt Post von „Dr. Irmgard Weiß“, damals Vorsitzende des Deutschen Evangelischen Frauenbundes (DEF), Ortsverband Nürnberg. Nie gehört. Sie fragte bei mir an (nach einem Tipp von Emilie Wechsler vom DEF Ortsverband Schwabach), ob ich mir vorstellen könnte, als Prüferin im Bereich Hauswirtschaft zweimal im Jahr tätig zu sein. Ich hätte als Lehrerin für Hauswirtschaft doch Fachkompetenz. Nach Rücksprache mit meinem Mann und den Kindern, war klar „Mutter, du meldest dich!“. Ich habe mich gemeldet und wurde genommen. Das war die unterste Sprosse meiner ehrenamtlichen Karriereleiter.

Schon im Dezember fand im Café „Am Stadtpark“ in Nürnberg eine Bundestagung der AEH (damals noch „Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Hausfrauen“) statt, ich hatte keine Ahnung, was das ist. Dazu wurde ich eingeladen, bekam Fahrtgeld und auch die Kosten für mein Essen wurden übernommen, das fing ja gut an.

Dort habe ich erfahren, was der DEF mit der AEH zu tun hat, begriffen habe ich es noch nicht, weiter dass der DEF Sozialpartner als Arbeitgeber für die hauswirtschaftliche Berufsausbildung das Vorschlagsrecht für Prüfer hat und dass es ein Berufsbildungsgesetz gibt, das die Ausbildung zur Hauswirtschafterin und zur Meisterin regelt. Ich habe erfahren, dass nur noch ausbilden darf, wer nach dem Gesetz eine Meisterprüfung abgelegt hat. Für den Bereich Hauswirtschaft gibt es keine Kammern, sondern dafür „Zuständige Stellen“ bei den Bezirksregierungen, damals zusammengefasst beim Bayerischen Staatsministerium für Soziales und Familien. Das war spannend. Eingetaucht in eine andere Welt, kehrte ich an den häuslichen Herd nach Schwabach zurück.

Im Frühjahr 1972 war die Abnahme der ersten Zwischenprüfung in Nürnberg, alles lief gut. Als ausgebildete Fachlehrerin hat man mir Kompetenz und pädagogisches Wissen zugetraut und mich freundlich im Ausschuss aufgenommen.

1972 kam der Hinweis, Frau Ittner, sie sollten doch Mitglied im DEF werden, denn sie sind ja eine von uns. Ja, das war mir klar, auch dass ich meinen Beitrag bezahle, aber nicht zu den Veranstaltungen der „alten Frauen“ in Schwabach gehe, ich war ja gerade 40 Jahre alt.

Erst Jahre später habe ich erkannt, dass der Mütterkreis von 1962 durchaus seine Berechtigung hatte, aber eine Mitwirkung in weiten Bereichen der Gesellschaftspolitik nur durch den DEF mit seiner Gliederung Landesverband, Bundesverband möglich war und ist.

 Die ehrenamtliche Leiter stieg ich ganz schnell nach oben: Vorsitzende des Prüfungsausschusses Fürth, Mitglied im Meisterprüfungsausschuss, Vorsitzende des Meisterprüfungsausschusses Mittelfranken. Vorsitzende des Berufsbildungsausschusses Bayern. Bei allen Berufungsurkunden stand hinter meinem Namen DEF/AEH.

Der damalige Sachgebietsleiter beim Bayerischen Staatsministerium für Soziales und Familie setzte sich sehr für uns „Hauswirtschaftlerinnen“ ein, förderte deren Stellenwert und ermöglichte kostengünstige Fortbildungsmaßnahmen, all sein Tun gedeckt durch die Bayerische Sozialministerin Barbara Stamm.

Einige Jahre hat es gedauert, bis eine anerkannte Rechtsform für die AEH gefunden wurde, die ich immer wieder anmahnte, denn wurde ich nach der Mitgliederzahl der AEH gefragt, gab es keine Antwort. Wurde ich nach der Fachkompetenz des „Christlichen Frauenverbandes DEF“ gefragt, war auch schwer eine Antwort zu finden. Nach der offiziellen Gründung des AEH-Förderkreises Bayern im Jahr 1989 war Inge Gruhn für Verbraucherfragen und ich für alle Belange der Hauswirtschaftlichen Berufsbildung zuständig und deren Vorsitzende über viele Jahre.

An dieser Stelle möchte ich es nicht versäumen, den damaligen DEF Vorsitzenden Anneliese Peter-Köster und Anke Geiger für deren Anerkennung meines oft selbstständigen Handelns im Nachhinein zu danken. Ebenso den Geschäftsführerinnen Liesbeth Teufert, post hum, Hannelore Laufenberg und Katharina Geiger meinen Dank für eine stets fruchtbare und konstruktive Zusammenarbeit aussprechen.

Als starke Frau aus Bayern wurde ich Bundesvorsitzende der AEH. Über die Zusammenarbeit mit dem DEF auf Bundesebene spreche ich anders, aber dies ist heute nicht mein Thema, wobei mir hier wunderbare Menschen begegneten und ich Einblicke in Gremien und Arbeitsgebiete erhielt, die mir ohne AEH nie möglich gewesen wären.

Zurück zu den Wurzeln nach Bayern. Lisbeth Teufert war diejenige Frau, die die Nöte um die Nichtanerkennung von Hauswirtschaft erkannte und einen Zusammenschluss hauswirtschaftlicher Verbände dringend empfohlen hatte. Sie war maßgeblich an der Gründung des BayLaH (Bayerischer Landesausschusses für Hauswirtschaft) beteiligt. Von 1978 bis 1998, also 20 Jahre, zuerst als stellvertretende Vorsitzende und viele Jahre als Vorsitzende arbeitete ich mit viel Engagement und Herzblut für dieses Gremium, immer als Vertreterin des DEF.

Staatsministerin Barbara Stamm setzte sich persönlich für mich ein, sodass ich als „Frau von der Hauswirtschaft“ 1999 den Bayerischen Verdienstorden (als eine von nur 2000 Personen in Bayern) für meine ehrenamtliche Arbeit erhielt. Da kamen noch einige Ehrenämter dazu, die ich durch meine AEH-Erfahrungen in Vereinen und Gremien ausgeübt habe. 2007 hat mich die AEH zu ihrer Ehrenvorsitzenden ernannt.

Und der „Frauenbund Schwabach“? Längst bin ich keine 40 mehr und schon seit Gerlinde Schröttels Zeiten (sie war viele Jahre Klassenkameradin von mir und 1.Vorsitzende) gehöre ich dazu. Mit ihrer Nachfolgerin Johanna Drechsel konnte ich stets gut zusammenarbeiten. Noch jetzt gehöre ich dem erweiterten Team an. Ich bin kein Kind der Traurigkeit und genieße alle gut vorbereiteten Feste, verfolge interessiert Vorträge über die Jahreslosung, Kirchenglocken und Reiseberichte über ferne Länder und lernte bei Studienreisen Neues dazu. Nur mein allerletzter Vortrag im März 2020 fiel Corona zum Opfer, ich kann es verschmerzen.

Die von mir initiierte Kooperationsveranstaltung Frauenbund, Kneipp-Verein, Seniorenrat, „Sommer an der Schwabach“ soll heuer zum 7. Mal stattfinden, wenn - denn?

Ehrenamt: Frust und Lust? Ich glaube ja fest daran, dass Gene ehrenamtliches Tun beeinflussen (es wäre interessant darüber eine Studie zu erstellen), natürlich zeigt das Vorbild Wirkung. Mein Vater war in vielen Bereichen ehrenamtlich tätig, zwei meiner Kinder engagieren sich ehrenamtlich, zwei überhaupt nicht und bei den Enkeln ist es auch etwa Halb/Halb. Warum ist es so?

Auf jeden Fall wäre ich nie „Johanna“ geworden ohne Prägung durch das Ehrenamt, davon 50 Jahre beim DEF.

Johanna Ittner,
AEH-Ehrenvorsitzende

 

Bildunterschriften:

Gruppenbild mit den Geehrten des Ortsverbandes Schwabach (vorne links sitzend Johanna Ittner), Quelle: Robert Schmitt

Johanna Ittner mit Barbara Stamm (1993), Quelle privat

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