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Digitalisierung im Gesundheitswesen - Kommt die Therapie jetzt per App?

DEF |

Gesundheits-Apps, Telemedizin, OP-Roboter: Die Möglichkeiten, die die Digitalisierung im Gesund­heitswesen bietet, sind vielfältig. Doch trägt dies wirklich zu einer besseren Gesundheit der Patienten bei? Wo liegen Grenzen der Techniknutzung? Und welche Gefahren gibt es für unsere Daten? Diese Fragen wurden auf der gemeinsamen Tagung der Akademie für politische Bildung Tutzing, dem Lan­desverband Bayern des Katholischen Deutschen Frauenbunds sowie den Evangelischen Frauen in Bayern diskutiert.

„Die Digitalisierung muss dem Bürger den größtmöglichen Nutzen bringen", sagt Maria Marlene Bohrer-Steck vom Zentrum Digitalisierung Bayern. Für den Bereich der Gesundheit würden die Potentiale allerdings bisher kaum ausgeschöpft. Zu den Möglichkeiten einer digitalen Gesundheitsversorgung gehören unter anderem ein vernetztes Gesundheitswesen, eine kompatible digi­tale Patientenakte, durchgängige Standards und eine zunehmend personalisierte Medizin. Darüber hinaus können aggregierte Gesundheitsdaten die Vorsorge­forschung vorantreiben. Künstliche Intelligenz ermög­licht wiederum in den Bereichen Diagnostik und Therapie revolutionäre Fortschritte. Das Digitale-Ver­sorgung-Gesetz (DVG), das am 7. November vom Deutschen Bundestag verabschiedet wurde, soll die digitale Entwicklung weiter voranbringen und sieht unter anderem Gesundheits-Apps auf Kassenkosten, Angebote von Online-Sprechstunden (Telemedizin) sowie ab 2021 die Umsetzung einer elektronischen Patientenakte vor. Auf der Tagung "Diagnose via Skype - Therapie per App?" wurde über die neuesten Ent­wicklungen der Digitalisierung im Gesundheitswesen gesprochen.

 

Was sagt die Ethik zur Digitalisierung?

Eine ethisch hinterfragende Haltung nimmt Julia Inthorn, Direktorin des Zentrums für Gesundheitsethik an der Evan­gelischen Akademie Loccum, ein. Entscheidend sei die Frage, wie man mit der neuen Technik umgeht. Muss der behandelnde Arzt die Meinung der intelligenten Maschine annehmen? Und mit welcher Begründung kann er diese zurückweisen? Neben Bedenken und Schwierigkeiten existieren aber auch Potentiale der Technik. Genau dieses Spannungs­feld will Inthorn mithilfe der Ethik bearbeiten, die sie als „konstruktiven Streit" begreift. Wichtig sei, dass die Technik nicht einen ethischen und aufmerksamen Umgang der Ärzte und Pfleger mit ihren Patienten ersetzt. Auch müssten das Ethos der medizinischen Berufe sowie die Arzt-Patienten-Beziehungen neu aus­gehandelt werden, nicht zuletzt durch die Miteinbe­ziehung möglichst aller Betroffener. Dabei gebe es durchaus Grenzen der Techniknutzung, nämlich wenn Menschenwürde und die Autonomie der Patienten gefährdet sind.

Besuch beim Arzt oder bei Dr. Google?

„Ärzte werden nicht mehr als Halbgötter angesehen", be­schreibt Cinthia Briseño von Frisk Innovation das sich wandelnde Verhältnis von Patienten und ihren Ärzten. Mittlerweile würden viele in ihrem Arzt eher eine Art „medical guide" sehen, der sie auf Augenhöhe berät. Dieser Rollenwandel ist auf den Trend zurückzufüh­ren, dass immer mehr Menschen sich im Internet über Krankheiten informieren, auch wenn die Infor­mationsqualität gerade durch Suchalgorithmen von Google beeinflusst und teilweise verzerrt wird. Das führt etwa dazu, dass sich trotz wachsender Informa­tionsfülle im Netz die Gesundheitskompetenz der Menschen nicht steigert. Eine Veränderung des Arzt-Patienten-Verhältnisses bedingt auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, wobei hierdurch Wahrschein­lichkeiten bis zur Vorhersage des Todes eines Patien­ten berechnet werden können. Die Ärzte stellt dies vor neue Herausforderungen, wie sie mit den Informa­tionen umgehen und wie sie diese an den Patienten herantragen.

Wie verändert sich die Arbeitswelt im Gesund­heitswesen durch die Digitalisierung?

„In der Praxis gibt es kaum ein Feld der Arbeitsgestaltung, das nicht von Technik berührt wird“, sagt Michaela Evans von der Universität Bielefeld. Besonders die Berufsbilder im Gesundheitswesen werden sich verändern, denn durch die Digitalisierung werden diese mit neuen Aufgaben ergänzt. Zum Bei­spiel müssen die Bereiche Qualitätsmanagement oder Risikomanagement besetzt werden. Aus diesem Grund sollte besonders im Fokus stehen, inwiefern Technik bestehende Berufe verändert, damit dies auch Einfluss auf Löhne oder die Berufsgruppierung haben kann, betont Evans. Wichtig sei dabei, die Beschäftigten in den Prozess der Digitalisierung ein­zubeziehen. Zudem solle Technik aus der Fachlichkeit gestaltet werden, damit diese einen emanzipatori­schen Effekt auf die Angestellten habe.

Was passiert mit unseren Patientendaten?

„Wirft ein Patient genügend Lebenszeit ab gegenüber dem, was die Therapie kostet?“ Diese zweifelhafte Fragestel­lung liegt laut dem freien Journalisten und IT-Experten Peter Welchering dem Geschäftsmodell des Konzerns Aspire Health zugrunde, der sich darauf spezialisiert, Algorithmen-basierte Wahrscheinlichkeitsprognosen zu erstellen und diese an Krankenkassen zu verkau­fen. Dabei soll die Software beispielsweise entschei­den, welche Therapie angewandt wird, basierend auf den prognostizierten Erfolgschancen und der damit verbundenen Lebenserwartung. Lohnt sich eine The­rapie in den Augen des Programms nicht, wird sie ausgeschlossen. Die Einschätzungen der Software beruhen auf den bisherigen Krankheitsverläufen des Patienten, persönlichen Verhaltensdaten, Risikofak­toren der Lebensführung sowie durchschnittlichen Krankheitsverläufen. Möglich ist dies, weil die Weiter­gabe von Patientendaten oft mit nicht ausreichend anonymisierten Daten erfolgt. Aufgrund von Sicher­heitslücken bei Krankenhausnetzwerken und Gesund­heits-Apps werden medizinische Daten zudem häufig im Bereich der Organisierten Kriminalität erbeutet und für Zwecke wie Erpressung, Industriespionage und Datenhehlerei missbraucht. Welchering fordert deshalb die vollständige Anonymisierung der Patien­tendaten, wenn diese zum Beispiel für Forschungs­zwecke weitergegeben werden.

Datenschutz und Verbraucherrechte im Kontext von eHealth

Gesundheits- und Lifestyle­apps begleiten Verbrauche­rinnen und Verbraucher immer mehr im Alltag und bieten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Beispielsweise sind Schritt­zähler mittlerweile auf jedem Handy installiert und selbst Schmerzpatienten haben die Möglichkeit, per App ein Schmerztagebuch zu führen. „Doch nicht alle Apps sind gleich gut“, warnt Eva Traupe vom Ver­braucher-Service Bayern. Besonders gefährlich seien Diagnoseapps, durch die Nutzer in Versuchung kommen, den Arzt zu ersetzen. „Wir brauchen ein Qualitätssiegel für Gesundheitsapps“, fordert sie des­halb. Zudem empfiehlt die Juristin beim App-Download auf Datenschutz zu achten. Am besten sei es, wenn die Daten in Deutschland oder der EU ge­speichert werden, weil die Bürger so im Falle eines Datenleaks die Möglichkeit haben, rechtliche Schritte einzuleiten.

Den Seminarbericht erstellten Natalie Weise und Frederik Haug, Akademie für politische Bildung Tutzing (www.apb-tutzing.de).

 

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