Wohnen ist Frauenrecht!
Zum Tag der offenen Tür – 70 Jahre Haus am Kufsteiner Platz
Wir hatten etwas zu feiern! Ein Haus mit Geschichte, ein Haus, das seit 70 Jahren 120 alleinstehenden Frauen mit niedrigem Einkommen ein Zuhause bietet. Und das mitten in München – in der teuersten Stadt des Landes. So öffnete der DEF-Landesverband Bayern sein Haus am Kufsteiner Platz 1 am 23. Oktober für Nachbarn, Mitstreiterinnen, Freunde und Interessierte.
Die Geschichte des Hauses
Der DEF-Ortsverband München schaffte schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts Wohnraum für bedürftige Frauen – zunächst in der Arcisstraße. Nach dem 2. Weltkrieg wurde ein Neuanfang am Kufsteiner Platz gewagt, aber auch hier mussten die Folgen des Krieges erst einmal beseitigt werden. Die Grundsteinlegung am 2. September 1955 und die Einweihung des Appartementhauses am 26. November 1956 war dem mutigen Wirken der „Frauen mit Hut“ zu verdanken. Gut situierte Frauen, die ihre Vision für bezahlbaren Wohnraum für Frauen mit geringem Einkommen in die Tat umsetzten.
1998 verlegte der DEF-Landesverband seine Geschäftsstelle ins Haus am Kufsteiner Platz und ein Jahr später übertrug schließlich der Ortsverband München sein Haus auf den Landesverband.
Von Frauen für Frauen
Von Frauen erdacht – für Frauen gemacht – dieser Gedanke zieht sich bis in die heutige Gegenwart. Von Anfang an gab es eine Hausmutter, die sich um die diversen Belange der Mieterinnen kümmerte. 2021 übernahm Sigrid Fernando die Stelle der Hausmutter von Erika Lech-Vlasa, die 30 Jahre im Haus tätig war. Zum Tag der offenen Tür kam die DEF-Familie in Bogenhausen zusammen. Nicht nur zum Lauschen, Staunen und Feiern, sondern auch, um sich auf den sechs Etagen des Hauses mit Aktionen und Informationsmaterial zu präsentieren. Beim Sektempfang im Erdgeschoss begrüßte Dr. Johanna Beyer, (Verwaltungsratsvorsitzende des DEF-Landesverbands) alle Gäste. „Wohnen als Menschenrecht war und ist“, so Dr. Beyer, „ein sozialstaatliches Versprechen und heißt im selben Atemzug, Wohnen ist ein Frauenrecht!“ Nach einer kleinen Andacht und einem wunderschönen Segen durch Pfarrer Friedemann Krocker konnten schließlich alle Besucherinnen und Besucher mit der Entdeckungstour durch das Haus starten.
Die DEF-Familie präsentiert sich
Auf den sechs Etagen des Hauses konnten sich die Besucherinnen und Besucher an diesem Tag ein Bild von den Bildungsangeboten und vielfältigen Aktivitäten der DEF-Familie machen. Beginnend im sechsten Stock, präsentierte sich die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Haushaltsführungskräfte (AEH) mit ihrer Vorsitzenden Hannelore Täufer, die sich deutlich – und ohne erhobenen Zeigefinger – für mehr hauswirtschaftliche Bildung einsetzt. Sehr niederschwellig war daher auch ihr Angebot „Knopf annähen“, das gerade von den jungen Frauen im Haus rege genutzt wurde.
In der 5. Etage stieß man auf die Medienarbeit von Sabine Jörk und Luitgard Herrmann (Evangelische Arbeitsgemeinschaft Medien - EAM). Das vielfältige Digital-Angebot der beiden Frauen ist auch das ganze Jahr über ein Dauerbrenner. Als Stützpunkt „Digital Kompass vor Ort“ sorgen sie für digitale Barrierefreiheit und Teilhabe insbesondere älterer Menschen. Im Haus selbst findet einmal im Monat eine Digitalsprechstunde statt. Seniorinnen können sich hier kostenfrei beraten lassen.
Eine Etage tiefer traf man auf Dagmar Herrmann, die als Vorsitzende des Ortsverbandes Oberland die bayerischen Ortsverbände und die Anschlussvereine repräsentierte. Unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ stellte sie ihr Angebot eines Strickcafés vor. Die Ergebnisse konnten bestaunt werden, denn ihr Tisch war gefüllt mit herzallerliebsten gestrickten Söckchen, die dort regelmäßig für Frühchen hergestellt werden.
Der dritte Stock wurde von Sybille Just betreut - in offizieller Rolle stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende des DEF-Landesverbands und Verwaltungsratsvorsitzende des DEF-Freundeskreis Fürth e.V. Sie informierte Besucherinnen und Besucher über das Mutter-Kind-Haus in Fürth, das landesweit zu einer der größten sozialen Einrichtungen in diesem Bereich gehört. Auch die Themen des Landesverbands und Informationen zum Thema Stützpunkt Verbraucherbildung hingen auf großen Plakaten aus
Regen Zulauf erhielt auch der zweite Stock, in dem Hausmutter Sigrid Fernando und Hausverwalter Felix Gast ein leerstehendes Appartement zeigten. Besonders anschaulich waren dort die Collagen an den Wänden. Hier zeigten Mieterinnen auf Fotos ihre Lieblingsplätze und boten Einblicke in die Einrichtung der eigenen vier Wände.
Im 1. Stock konnte man mit Vertreterinnen der neu gegründeten „Jungen Gruppe“ ins Gespräch kommen und sich gleichzeitig über den Ortsverband München informieren. Die „Junge Gruppe“ plant Angebote für die jüngere Generation im Haus - Werken und Handarbeit stehen hier zunächst auf dem Programm. Der Ortsverband selbst ist stets bemüht um abwechslungsreiche Bildungsfahrten in und um München.
Katharina Geiger, die geschäftsführende Vorständin des DEF freute sich über das rege Interesse und den reibungslosen Ablauf am Tag der offenen Tür. Mit Blick auf die Zukunft sagte sie: „Wir sehen heute besonders gut, wie vielfältig und abwechslungsreich die Arbeit des Deutschen Evangelischen Frauenbundes ist. Mich freut vor allem, dass sich aus ganz Bayern die Vertreterinnen unserer Ortsverbände heute auf den Weg gemacht haben, den Geburtstag dieses einzigartigen Hauses und dessen Idee mit uns zu feiern!“
Bildunterschrift: vlnr. Pfr. Friedemann Krocker und Hausmutter Sigrid Fernando im Gespräch
Bild 2 Unterschrift: Fröhliche Einladung zum Tag der offenen Tür (Illustration: Heike Haas)



