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Wer den Zug der Digitalisierung bestiegen hat, steigt nicht mehr aus!?

EAM |

36. GMK-Forum Kommunikationskultur

Zukunftsvisionen sind sehr stark vom Genre Science Fiction geprägt, wie sich aktuell auch in der Studie der Gesellschaft für Informatik „KI und Popkultur“ (2019) bestätigt: Die Deutschen hätten gerne R2D2 (der niedliche Roboter aus der Star Wars Reihe) als persönlichen Assistenten. Trotz Alexa, Siri, Cortana und Co wird Künstliche Intelligenz (KI) von der Mehr­heit der Befragten bedauerlicherweise als „männlich“ wahrgenommen, ein Indiz dafür, dass alle Geschichten von der Zukunft unsere Wahrnehmung von Technik bestimmen.

In ihrem Eröffnungsvortrag auf dem diesjährigen 36. Forum der GMK (Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur) mit dem Thema „Zwischen Utopie und Dystopie. Medienpädagogi­sche Perspektiven für die digitale Gesellschaft“, zeigten Professorin Dr. Angelika Beranek (Hochschule München) und Sebastian Ring (Leiter des Medienzentrums München, JFF) sehr anschaulich auf, wie Narrative die Wahrnehmung neuer Technologien und den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen. Vor allem Dystopien spielen hierbei eine große Rolle: Bedrohung der Menschheit durch die Maschine, Angst vor Kontroll- und Machtverlust. Jeder Technologie­wandel bringt Apologeten und Befürworter hervor, es dominieren jedoch die Ängste vor der künstlichen Intelligenz. In Computerspielen sind sie längst als Interaktionspartner akzeptiert, aber auch im Bereich der Sprachassistenten finden sie allmählich immer mehr Akzeptanz. Als Herausforderungen für die Me­dienpädagogik sehen Beranek und Ring die Wahrung der Autonomie des Subjektes, Big Data (Beein­flussung von Entscheidungen), Überwachung und wer steuert künftig die öffentliche Kommunikation? Die medienpädagogische Forschung ist vor allem gefragt bei Smart Devices als Interaktionspartner.

Sehr unterhaltsam war das Gespräch der beiden Autor*innen Jens Lubbadeh und Theresa Hanig über ihre fiktiven Visionen von der Zukunft. Lubbadeh stellte einen Ausschnitt aus seinem soeben erschie­nenen Roman „Transfusion“ vor und Hannig ihren mit dem Phantastic-Literaturpreis Serap ausgezeichneten Roman „Die Optimierer“. Die Moderation hatte Kristin Narr, Vorstandsmitglied der GMK.

Mit dem Statement „Wer den Zug der Digitalisierung bestiegen hat, steigt nicht mehr aus,“ wies Prof. Dr. Dr. Matthias Rath (Pädagogische Hochschule Lud­wigsburg) auf das Problem hin, dass viele noch meinen, sie hätten eine Option und müssten den Zug nicht besteigen. Rath argumentierte mit dem Modell des „conditio humana“ (Lebensweltbezug) gegen Medienmoralisierung als Untergang des Abend­landes und für eine adäquate Bildung 4.0, die keine neuen Konzepte benötigt, sondern sich mit den neu­en Bedingungen, wie Verlust traditioneller Wesens­ideale, Moralisierung von Medien und Metaprozessen wie Mediatisierung, eben angemessen auseinander­setzen muss.

Eine breite Palette an Workshops am Samstagvormit­tag und -nachmittag lud zu interessanten Diskursen zu Lehren und Lernen, Utopien für die pädagogische Praxis, sichtbare Sexualität, Bonitätssysteme, Zukunft und Qualität in der Erwachsenenbildung, technischen Assistenten, Coding im Kindergarten, OER (Open Educational Ressources) finden, erstellen, verbreiten, dystopischen Filmen, Chancen und Herausforderun­gen an die medienpädagogische Forschung u.v.m. ein. Zudem gab es in der Mittagspause die Möglich­keit, Mitmachangebote zu nutzen oder sich in den einzelnen GMK-Fachgruppen auszutauschen. Am Frei­tagabend fand eine Filmschau und ein anschließen­des Gespräch zu „Hi AI – Liebesgeschichten aus der Zukunft“ mit Regisseurin Isa Willinger statt, und an­schließend klang der Abend mit einer Netzwerk-Party aus. Der Samstag endete mit der diesjährigen Dieter-Baacke-Preisverleihung. Die Gewinner finden Sie unter dieter-baacke-preis.de/preisverleihung-2019/

Im Workshop „Zukunft und Qualität der Erwachse­nenbildung“ wurde deutlich, dass es heute zuneh­mend keine Rolle mehr spielt, wo man lernt, auch wenn die Face-to-Face-Variante noch vorherrschend ist. Auch die Rolle der Lehrenden ändert sich hin zum/zur Lernbegleiter*in. Angesichts des technischen Wandels ist lebenslanges Lernen unabdingbar. Die letztes Jahr gegründete Fachgruppe Erwachsenen /Weiterbildung möchte sich vor allem mit dem Aspekt der Qualifizierung von Lehrenden in der Er­wachsenen- und Weiterbildung befassen und Qualifi­zierungsstandards für die berufliche und allgemeine Weiterbildung entwickeln.

Im Bereich der medienpädagogischen Forschung werden vermehrt auch Daten aus Social Media Ange­boten genutzt. Damit ergeben sich aber auch eine Menge an rechtlichen und ethischen Fragen: Archi­vierung und Speicherung, Datenschutz und Daten­hoheit, Persönlichkeitsrecht und Plattformrichtlinien. Auch ist der Forscher selbst Teil der digitalen Welt. Daraus ergeben sich viele interessante Forschungs­fragen, die durchaus mit den gängigen Methoden, vielleicht etwas erweitert unter Berücksichtigung rechtlicher und ethischer Fragen, untersucht werden können.

„Entseelte Entscheidungen“ wollte Professorin Dr. Katharina Zweig (Technische Universität Kaiserslautern) ursprünglich ihr neues Buch „Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl“ nennen, was verdeutlicht, dass es bei KI um Maschinen handelt. Algorithmen helfen bei der Lösung von Problemen, sie brauchen dafür aber eine eindeutige Handlungsvorschrift. Zentrale Ängste der Menschen vor Algorithmen sind, dass sie „dichten und richten“. Als künstliche Intelligenz versteht man alle vom Computer ausgeführten Tätigkeiten, die bisher von Menschen durchgeführt wurden und mit menschlicher Intelligenz assoziiert werden. In den Medien gibt es beispielsweise KI-Systeme, die Texte schreiben, die Texte empfehlen, die Leser bewerten und die Texte klassifizieren. Schon heute gut funktionierende KI-Systeme sind Produktempfehlun­gen, Audio-/Videoerkennung, semantische Textana­lyse, Übersetzungen und Sprachassistenzen. Aufmerk­samkeitsökonomie ist die neue Währung, Algorith­men versuchen, uns so lange wie möglich auf einer Plattform zu halten. Dennoch betonte Zweig aus­drücklich, dass was durch KI optimiert werden soll, eine gesellschaftliche Entscheidung ist.

Am Sonntag standen das digitale Spiel und das medienpädagogische Manifest im Zentrum des Vor­mittags, und nach den Berichten aus den verschie­denen Arbeitsgruppen und einem kurzen Ausblick endete das diesjährige Forum mit ca. 300 Besuchern auf dem Campus der Hochschule München-Pasing.

Sabine Jörk, EAM-Vorsitzende

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