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Verzerrte Wirklichkeit – Rollenbilder von Mädchen im Kinderfernsehen

EAM |

Der Bayerische Landesfrauenrat hat sich zum widerholten Male mit den Rollenbildern im Fernsehen beschäftigt. Aktuell wird die verzerrte Darstellung von Rollenbildern im Kinderfernsehen  kritisch beleuchtet. Katharina Geiger, die im Landesfrauenrat die Evangelischen  Frauen in Bayern (EFB) vertritt, und an diesem Papier mitgewirkt hat, bedauert, dass die formulierten Forderungen auch noch im Jahr 2020 notwendig sind. So fordert sie vor allem die gezielte Förderung von Frauen in der Produktion, denn  „mittlerweile sehen wir im Kinderfernsehen zwar viele Frauen vor der Kamera, aber die Geschichten werden immer noch meist von Männern produziert und damit aus ihrer Sicht erzählt. Und das hat Auswirkungen auf die Rollenbilder und Auswahl der Figuren“, so Geiger.

Im Folgenden die Stellungnahme des Bayerischen Landesfrauenrates:

Während in anderen Ländern gezielt nachgebessert wurde, stagniert in Deutschland das Geschlechter­verhältnis im Kinderfernsehen seit zehn Jahren. Nur eine von vier Figuren ist weiblich.* Viele Sendungen im Kinderfernsehen tragen dazu bei, überholte Rollen­bilder zu verfestigen: Mädchen dürfen keine Entschei­dungen treffen, sind weder aktive Gestalterinnen, noch werden sie als Heldinnen gezeigt.

In fiktionalen Sendungen werden die animierten Figuren unnatürlich, realitätsfern und vor allem hyper­sexualisiert dargestellt. Durch extreme Wespentaillen, Riesen-Brüste und sehr lange Beine werden Frauen­körper jenseits anatomischer Möglichkeiten abge­bildet. Derartige Rollenbilder prägen Mädchen und Jungen schon im Vorschulalter und engen sie in ihrer Entwicklung ein. Sie verhindern die realistische Wahr­nehmung des eigenen Körpers und zelebrieren die Klischeevorstellungen der fast ausschließlich männ­lichen Produzenten und Geldgeber.

Auch wenn die Einschaltquoten bei Kindersendungen hoch sind, zeigen Untersuchungen, dass Kinder über­triebene Körperformen ablehnen.* Erst im Grund­schulalter lernen sie, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. Einige gute Eigenproduktionen für Kinder, meist im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der gesamten Fernseh- und Filmbranche Ignoranz sowie Unwissen zu Gendersensibilität dominieren. Während in Schulbüchern langsam gendergerechte Bilder und Sprache Einzug halten, ist das Kinderfernsehen noch weit davon entfernt. Gerade bei im Ausland einge­kauften Sendungen ist deshalb Wachsamkeit geboten.

Kinderfernsehen hat unter anderem die Aufgabe, die nachfolgende Generation für eine gerechte Gesell­schaft zu bilden, ihre Entwicklung zu unterstützen und unterschiedliche Lebensentwürfe als gleichwer­tig anzubieten. An Diversität orientierte Bilder, Inhalte und Geschichten im Kinderfernsehen können in den Köpfen viel verändern. Mädchen und Jungen werden dadurch bestärkt, die ihnen zugeschriebenen Rollen zu verlassen und ihre eigene Identität zu finden.

Der Bayerische Landesfrauenrat fordert:

  • Kindersendungen mit vielfältigen Rollenbildern
  • mehr aktiv handelnde Mädchen- und Frauen­figuren
  • mehr Frauen als Expertinnen
  • Mindest-Body-Maß-Index für animierte Figuren sowie für Models und Schauspielerinnen
  • verpflichtende Aus- und Fortbildungen zu Genderkompetenz für alle Medienschaffenden
  • finanzielle Förderung für Gendersensibilität bei Filmeinkauf und Produktion
  • gezielte Förderung von Frauen in der Produktion von Kindersendungen.

* siehe TelevIZIon 30/2017/2, hrsg. Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen beim Bayerischen Rundfunk

Bildquelle Dimitris Vetsikas auf pixabay

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