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Näherinnen haben es nach wie vor sehr schwer.

AEH |

Bangladesch - Zehn Jahre nach der Katastrophe vom Rana Plaza gibt es wenig Fortschritte.

 

Den folgenden Artikel von Anne-Sophie Galli und Nazrul Islam, erschienen in den Nürnberger Nachrichten vom 25. April 2023 hat Hannelore Täufer, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Haushaltsführungskräfte – Förderkreis in Bayern (AEH) gelesen und kommentiert:

„DHAKA – Als der achtgeschossige Textilfabrik-Komplex Rana Plaza in weniger als 90 Sekunden zusammenkracht, überlebt Arbeiterin Nilufa Begum. Es sieht aus, als habe eine Bombe eingeschlagen am 24. April 2013. Neben Begum überleben etwa 2500 andere Arbeiterinnen, doch mehr als 1000 sterben in der Produktionsstätte unweit von Bangladeschs Hauptstadt Dhaka.

Die Bilder der Katastrophe gehen um die Welt. Sie werden zum Symbol der erbärmlichen Arbeitsbedingungen von Millionen Textilarbeiterinnen, die Kleider vor allem für den Westen herstellen. Nie wieder – versprechen damals viele Modeunternehmen. Doch was hat sich seither getan in dem Land, das nach China am meisten Kleidung produziert?

Für Arbeiterin Nilufa Begum ist nichts mehr wie vorher. Damals habe sie gut neun Stunden unter den Trümmern gelegen. Heute leide sie unter Bluthochdruck, einem Nierenleiden, einem Tumor in der Brust und einer Verstümmelung ihres rechten Beins, berichtet die 42-Jährige. „Ich habe elf Monate in Krankenhäusern verbracht, und trotzdem kann ich nicht mehr laufen.“

Von Modefirmen habe sie zwar eine Entschädigung in Höhe von 215.000 Taka (rund 1850 Euro) erhalten, sagt sie, aber das reiche für nichts. ‚Meine medizinische Behandlung hat mich schon mehr gekostet, und ich kann nicht mehr für meine Familie Geld verdienen.‘ Da ihr Mann und ihre Mutter inzwischen gestorben seien, habe ihr 15-jähriger Sohn die Schule abbrechen müssen, er arbeite jetzt in einer Auto-Garage.

Mehr als 30 Modemarken wurden nach dem Einsturz mit Rana Plaza in Verbindung gebracht, darunter auch deutsche. Die Mehrheit dieser Firmen habe Geld in einen Fonds für Entschädigungszahlungen an Arbeiterinnen und ihre Angehörigen in Höhe von insgesamt 30 Millionen Dollar gezahlt, berichtet Amirul Haque Amin, der Präsident der Gewerkschaft National Garments Workers Federation und Träger des Nürnberger Menschenrechtspreises.

Nach dem Einsturz unterschrieben rund 200 Modeunternehmen ein Abkommen zum Brand- und Gebäudeschutz, den sogenannten „Bangladesh Accord“. Daraufhin besuchten Inspekteure Hunderte Fabriken, stießen Verbesserungen an. Dies habe die Sicherheit der Arbeiterinnen verbessert, sagt Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende der Frauenrechtsorganisation Femnet. Der Accord habe zu weniger Toten bei Unfällen in Fabriken geführt, heißt es. Doch seit die Überwachung des Accords vor drei Jahren von einer einheimischen Institution, dem RMG Sustainability Council, übernommen worden sei, habe es zuletzt wieder mehr Unfälle und Vergehen gegeben.

Eine Sprecherin vom Modeverband GermanFashion, Tanja Croonen, betont, dass das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz deutsche Firmen gesetzlich verpflichte, ihrer Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt in ihrer Lieferkette gerecht zu werden. Doch zuletzt, so sieht es Gisela Burckhardt von Femnet, hätten sich die Arbeitsbedingungen eher wieder verschlechtert.

Gewerkschafter Amin sagt, dass Modefirmen zwar gerne über die Einhaltungen von Standards sprächen, die höheren Kosten dafür aber nicht zahlen wollten. ‚Fünf oder zehn Prozent mehr pro Produkt würde die ja nicht arm machen.‘ Seit 2018 liegt der Mindestlohn in Bangladesh bei 8000 Taka (69 Euro) pro Monat. Dies sei es, was viele der mehr als vier Millionen mehrheitlich weiblichen Arbeiterinnen erhielten.“

Mein persönlicher Kommentar:
69 Euro Monatslohn, bei einem Arbeitstag von neu bis zehn Stunden und oft auch sieben Tage die Woche! - da kommt sofort der Gedanke – wer streicht den Gewinn pro Kleidungsstück ein? Zehn Jahre nach dem Unglück hat sich nach dem Zeitungsartikel nicht wirklich viel geändert! Wo kann ich als Verbraucherin/Verbraucher ansetzen, um die Arbeitsbedingungen auf der anderen Seite des Globus zu verbessern? Das Lieferkettengesetz ist sicher ein Anfang, aber derzeit noch ein sehr zahnloser Tiger. Allein nur im Laden nachzufragen, ob die Lieferkette das hält, was versprochen wird, ist der kleinste Tippelschritt. Nicht jeden Modetrend mitmachen und dafür auf Qualität (oder Langlebigkeit) achten, ist auch ein Tippelschritt. Wenn der Kauf von Kleidung ansteht, auf Labels achten, die faire Löhne versprechen, die auf den möglichst geringen Einsatz von Chemie bei der Produktion der Ausgangsmaterialien setzen, weil sie erkannt haben, dass damit auch ihre eigene Gesundheit und die ihres Umfelds Gefahren ausgesetzt sind – auch für uns ein Tippelschritt.

Sich auf diesen Tippelschritt-Weg zu begeben und Kleidung, vom Ausgangsmaterial bis hin zur Entsorgung wieder mehr Wertschätzung entgegen zu bringen – ist der allererste Tippelschritt. Dieser erste Schritt hilft auch unserer Erde beim Überleben.

Dazu ein Veranstaltungshinweis:
23.-24. Juni 2024 in der Evangelischen Bildungs- und Tagungsstätte Pappenheim

Kleidung und Textiles – Nachhaltig.Fair.Sozial
Seminar der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Haushaltsführungskräfte (AEH)

Nähere Info in der AEH/DEF-Geschäftsstelle in München oder unter www.def-bayern.de

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