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„Es war heiß, sehr heiß“. Bericht über die Studienfahrt „Tour de Ruhr“

Eine Studienfahrt des DEF-Landesverbands Bayern führte vom 22. Bis 26. Juni 2026 in das Ruhrgebiet – eine Region, die vielen noch als reine Industrielandschaft in Erinnerung ist. Die Fahrt zeigte jedoch ein überraschend vielfältiges Bild: historische Altstädte, bedeutende Kirchen, Industriekultur von Weltrang, moderne Stadtquartiere und viel Grün. Trotz großer Hitze bot die Reise zahlreiche eindrucksvolle Stationen und neue Perspektiven auf eine Region im Wandel.

Bei hochsommerlichen Temperaturen startete die Studienfahrt in Richtung Ruhrgebiet. Erstes Ziel war Hattingen, eine Kleinstadt mit einer bemerkenswert gut erhaltenen Altstadt. Rund 150 Fachwerkhäuser prägen das historische Zentrum, darunter das ungewöhnlich gestaltete Bügeleisenhaus, das früher ein Bügeleisenmuseum beherbergte. Ein Carillon-Spieler ließ für die Gruppe das Glockenspiel des Stadtturms erklingen. In der schlichten St.-Georgs-Kirche fiel die Kombination aus Altar, Kanzel und Orgel auf, die in Bayern als Markgrafenstil bekannt ist. Am Abend bezog die Gruppe das Hotel in Essen.

Essen – Geschichte und Industriekultur
Der zweite Tag begann im Stadtteil Werden, dem ältesten Teil Essens. In der Ludgerus-Abtei und der Schatzkammer erhielt die Reisegruppe Einblicke in die Geschichte des Klosters, das im 9. Jahrhundert gegründet wurde und später eine wichtige Rolle bei der Missionierung spielte. Anschließend wurde die Villa Hügel, der ehemalige Sitz der Familie Krupp, besichtigt. Die Lage über dem Baldeneysee und die weitläufigen Parkanlagen beeindruckten ebenso wie die Einblicke in die Industriegeschichte. Am Nachmittag folgte die Besichtigung der Zeche Zollverein, heute UNESCO-Weltkulturerbe. Mit einer kleinen Bahn konnten die Besucher die Dimensionen des riesigen Industriekomplexes erfassen. Das Gelände beherbergt heute Museen, Cafés, Event-Locations und Flächen für Start-ups. Viele Teilnehmende waren überrascht, wie grün das Ruhrgebiet ist: dicht bebaute Stadtbereiche liegen dort oft unmittelbar neben großen landwirtschaftlichen Anwesen.

Dortmund – Wandel einer Großstadt
Der dritte Tag führte nach Dortmund, die größte Stadt der Region. Wie viele Städte im Ruhrgebiet wurde sie im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und nach Kriegsende rasch wieder aufgebaut. Heute entstehen neue, großzügig gestaltete Wohnviertel mit viel Grün, die den Strukturwandel sichtbar machen. Das moderne Quartier am Phönix-See, entstanden auf einem ehemaligen Zechengelände, bot dafür ein anschauliches Beispiel. Vom Hochhaus der früheren Unionsbrauerei aus eröffnete sich ein weiter Blick über die Stadt. In der Petrikirche wurde der gotische Altar „Das goldene Wunder“ besichtigt, dessen bemalte Flügel in dieser Jahreszeit sichtbar sind. Auf der Rückfahrt nach Essen führte die Route durch Gelsenkirchen und am Stadion von Schalke 04 vorbei.

Duisburg und Oberhausen – Hafen, Geschichte und Waldwelten
Am Donnerstag stand Duisburgauf dem Programm. Eine zweistündige Hafenrundfahrt durch den größten Binnenhafen der Welt vermittelte Einblicke in die dortige Stahlindustrie, weitere Gewerbe und die Universität, die für Zukunftstechnologien steht. In der nahegelegenen Salvatorkirche erfuhr die Gruppe Wissenswertes über die Stadtgeschichte. Aufgrund ihrer Lage am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr wurde Duisburg schon im frühen Mittelalter von Wikingern überfallen, später entwickelte sie sich zu einem bedeutenden Handelszentrum und trat der Hanse bei. Ein berühmter Sohn der Stadt ist Gerhard Mercator, dessen Karten und Atlanten die Orientierung auf den Weltmeeren revolutionierten.

Anschließend wurde der Gasometer Oberhausen besucht, der aktuell eine Ausstellung zum Thema „Wald“ zeigt. Großformatige Fotografien entführten in die Wälder der Welt und ihre Bewohner. Die hohen Temperaturen im Inneren entsprachen allerdings der Außentemperatur – die Bilder schneebedeckter Landschaften boten zumindest optische Abkühlung.

Abschluss im Neandertal
Auf der Heimfahrt machte die Gruppe Halt im Neandertal-Museum in Mettmann, das die Menschheitsgeschichte anschaulich darstellt und die Fähigkeiten der Neandertaler und frühen Homo-sapiens-Gruppen eindrucksvoll zeigt. Eine charmante Besonderheit: Einige Figuren waren mit den Flaggen der Länder dekoriert, die an der Fußball-WM teilnahmen, die zeitgleich stattfand.

Während der Rückfahrt wurde die Mitgereisten in Aschaffenburg, Würzburg und Rothenburg verabschiedet. Damit endete eine heiße, aber abwechslungsreiche Reise durch das vielen noch unbekannte Ruhrgebiet – eine Region, die sich als überraschend vielfältig und grün präsentierte.

Inge Gehlert

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