Der Airfryer boomt: Die moderne Heißluftfritteuse erobert deutsche Küchen. Ist sie ein praktischer Helfer oder doch nur ein Trendobjekt?
Den folgenden epd-Artikel, erschienen in den Nürnberger Nachrichten vom 19. Februar 2026, hat Hannelore Täufer, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Haushaltsführungskräfte – Förderkreis in Bayern (AEH) gelesen und kommentiert:
„Backofen, Kaffeemaschine, Toaster und Mikrowelle haben einen festen Platz in deutschen Küchen. Vielerorts ist inzwischen ein weiteres Gerät hinzugekommen – die Heißluftfritteuse, kurz Airfryer. Laut dem Marktforscher NIQ wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 5,8 Millionen Stück verkauft. 2019 waren es nur 1,3 Millionen.
Der Airfryer, eine Art Mini-Backofen, ist längst vom Nischen- zum Massenphänomen geworden. Obwohl es ihn schon seit den 2000er-Jahren gibt, feierte er seinen Durchbruch erst vor wenigen Jahren. Im Gegensatz zu normalen Fritteusen frittieren die Geräte Fleisch, Fisch oder Gemüse mit heißer Luft statt mit Öl.
Airfryer werden von verschiedenen Herstellern angeboten, teils für weniger als 100 Euro. Die kleineren Modelle sind etwa 35 Zentimeter breit und Hoch. Bei den meisten werden die Lebensmittel in einen Korb gelegt, der anschließend in das Gerät geschoben wird. ‚Airfryer treffen den Zeitgeist: Sie sind schnell, einfach, gesund und energieeffizient – genau das, was viele Verbraucher heute suchen‘, sagt Alexander Dehmel, Experte für Technikprodukte bei NIQ. Der Markt wachse rasant.
Weniger Fett benötigt
Heißluftfritteusen zählten ‚definitiv zu den Trendprodukten in unserem Sortiment‘, sagt eine Sprecherin von MediaMarktSaturn. Das Unternehmen hat 2025 in Deutschland nach eigenen Angaben über 50 Prozent mehr Gerät3e verkauft als im Vorjahr. Wie weit der Boom geht, zeigt sich jedoch längst nicht nur im Elektronikfachmarkt.
In Buchgeschäften sind Airfryer-Kochbücher prominent ausgestellt, beim Onlinehändler Amazon belegen sie Spitzenplätze auf den Bestseller-Listen. Auf Instagram präsentieren Verbraucher ihre Kreationen und schwärmen davon, wie knusprig sie sind.
Zunehmend sichtbar ist das Phänomen auch im Supermarkt. Lebensmittelhändler wie Rewe bieten immer mehr spezielle Airfryer-Produkte an, etwa Tiefkühlgerichte wie Pommes, Kartoffeln, Bachmischungen, Gewürze oder Zubehör wie Öl-Sprays und Bachpapier-Schalen. Bei anderen Artikeln finden sich Airfryer-Zubereitungshinweise auf der Verpackung.
Der Pasta-Hersteller Barilla wirbt in Anzeigen für seine ‚jetzt auch für den Airfryer‘ geeignete Lasagne. Im Fernsehen werden Airfryer-Gewürzmischungen von Maggi und Knorr beworben. Laut Marktforschungsunternehmen YouGov beliefen sich die Umsätze mit Airfryer-Produkten in Deutschland im vergangenen Jahr auf etwa 18 Millionen Euro. ‚Airfryer profitieren vom anhaltenden Gesundheitstrend. Im Vergleich zur klassischen Fritteuse wird deutlich weniger Fett benötigt – das spart Kalorien, senkt den Anteil gesättigter Fettsäuren und spricht insbesondere ernährungsbewusste Haushalte an‘, sagt Christoph Lamsfuß vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln.
Franziska Köster vom Bundesverband Technik betont: Airfryer passten :zu einer Lebensrealität, in der viele, vor allem Berufstätige und jüngere Menschen, wenig Zeit haben, aber dennoch selbst kochen möchten‘.
Marketing-Experte Andreas Baetzgen hält den Hype teilweise für überzogen. Der Airfryer sei zwar bequem und vor allem für Single-Haushalte praktisch, jedoch allenfalls ein Komfort-Upgrade. ‚Eigentlich braucht man ihn nicht. Der Airfryer ist weniger Küchengerät als Zeitgeist-Objekt.‘
Die Nachfrage bleibt
Der Professor der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin rechnet damit, dass der Trend in ein paar Jahren belächelt wird. ‚Viele Airfryer werden irgendwann im Keller landen – so wie früher Brotbackautomaten oder Smoothie-Maker‘, sagt er.
Die Stiftung Warentest vergab letztes Jahr gute Noten für einige Modelle. Positiv bewertet wurde nicht nur die Knusprigkeit der Pommes. Airfryer arbeiten demnach schneller und stromsparender als Backöfen. Heißluftpommes sind zwar trockener als ölfrittierte, aber fettärmer.
Bei großen Portionen fielen die Ergebnisse teils weniger gut aus. Die Tester schrieben auch: ‚Airfryer frittieren streng genommen gar nicht, sie nutzen Umluft statt eines Ölbads.‘ Laut Ökotest entsteht dabei bis zu 90 Prozent weniger des Schadstoffs Acrylamid als bei normalen Fritteusen.
Laut dem Marktforschungsunternehmen YouGov verfügten 2025 bereits 42 Prozent der deutschen Haushalte über einen Airfryer. Branchenexperten erwarten, dass die Nachfrage auf hohem Niveau bleibt.
Einer YouGov-Umfrage zufolge plant jeder Neunte (11 Prozent), innerhalb der nächsten zwölf Monate ‚sehr‘ oder ‚eher wahrscheinlich‘ einen Airfryer zu kaufen. Bei den 25- bis 34-Jährigen gibt das sogar jeder Fünfte an (21 Prozent).
Einige persönlichen Anmerkungen:
Es ist bereits einige Zeit her, dass ich in einer Sendung im Fernsehen einen Vergleich verschiedener Airfryer sah. Tenor war:
- Ja - ein Airfryer ist im Vergleich zum Backofen energieeffizienter
- Ja - in heißer Luft knusprig gegart ist gesünder als im schwimmenden Fett frittiert. Das Problem des Acrylamid – Überhitzung des Fettes – kann ja nicht entstehen.
- Ja - die Anwendungen sind – weil ja heiße Luft – vielfältig, bis hin zum Kuchen garen und Brot backen
Aber:
Beim Kauf eines Gerätes sollte die Familiensituation berücksichtigt werden. Größere Familie benötigt ein größeres und leistungsfähigeres Gerät als ein Single-Haushalt. Diese Tatsache spiegelt sich in Preis und Platzbedarf. Ist das Gerät zu klein und muss deshalb 2- oder gar 3-mal in Betrieb sein um alle satt zu bekommen, ist die Energieeffizienz und Zeitersparnis im Vergleich zur Backröhre hinüber. Zudem ändert sich die Familiengröße – möglicherweise in beide Richtungen. Das würde eine erneute Anschaffung eines passenderen Gerätes bedingen.
- Im Artikel werden auch die „Zusatzprodukte“ angesprochen. Die sind nicht billig – und wirklich nötig? Zum Beispiel sind die Backschaleneigentlich bei einer Nachhaltigkeitsrechnung einzubeziehen. Viele davon werden nach einer Nutzung entsorgt. Eine Keramik- oder Glasform wird abgespült und kann über Jahrzehnte genutzt werden.
- Die AEH plädiert immer für das „selbst herstellen“ – weil dann klar ist, was ist drin. Heißluftfritteusen „helfen“ Gerichte „schnell und komfortabel herzustellen“. Das bedeutet, die Gerichte sind z. B. vorgegart – Fischstäbchen oder wie im Bericht Lasagne. Erst gestern sah ich eine Sendung zu Fischgerichten und Panaden. Viel Panade, viel „gepresster, in Form gebrachter“ Fisch oder Fleisch. Da muss die Zutatenliste schon sehr genau gelesen werden, wie viel Fisch oder Fleisch drin ist u n d ob da wirklich dieses Fleisch oder dieser Fisch zur „in Form gebrachtes Produkt“ enthalten ist. Da wird viel Schmuh getrieben und damit sehr viel Geld verdient. Mich hat bei der Sendung mit dem Fisch gefreut, dass der Tenor „greifen SIE zu heimischen Fisch- Forelle, Karpfen, Saibling“ war. Genau dies war das Ergebnis unseres Pappenheim-Seminars vor drei Jahren.
Vermutlich haben Sie schon gemerkt, ich habe keinen Airfryer. Allerdings esse ich fast nie Paniertes. Backe ich in meinem Single-Haushalt Kuchen, geschieht das, weil ich Besuch eingeladen habe. Da bleibt immer was übrig, das eingefroren werden kann. Ich koche gern mit Topf und Pfanne Fisch und Fleisch „natur“, weil ich sehr viel „in einem Topf/in einer Pfanne“ zubereite. Das geht mit „der Beilage Kartoffel“ gut, aber auch mit Reisnudeln oder mit Linsen, die auch nicht viel Garzeit brauchen.
Generell gilt: Brauche ich dieses Gerät wirklich? Wie oft nutze ich es vermutlich? Steht es nicht viel zu oft ungenutzt rum? Da hilft es auch nicht, wenn es ein Sonderangebot ist.
Wenn Sie überlegen, ob Sie sich dem Trend anschließen, fragen Sie in Ihrem Bekanntenkreis zum Airfryer rum! Wie wird er genutzt? Wie oft wird er genutzt? Sind die Ergebnisse wirklich überzeugend – oder würde es meine Backröhre weiterhin auch tun?
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