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Corona die Achte - Christi Himmelfahrt - Der Tag der Ausflüge Heute - Ein besonderer Ausflug - Die Reise um mein Zimmer

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Lesen bildet bekanntlich. Zeitungslesen nicht unbedingt, aber manchmal macht man dabei interessante Entdeckungen, wird auf manches aufmerksam gemacht und erfährt Erstaunliches.

 

So auch bei der Lektüre unserer Heimatzeitung. Da wird über ein Buch berichtet, erschienen 1795, geschrieben von einem französischen Adligen, der wegen eines Duells 42 Tage Hausarrest erteilt bekam. Da war er nun, verbannt in seine vier Wände und macht das Beste daraus. Er tut so, als ob er sich auf eine Reise, ja eine Expedition begibt, was zu seiner Zeit sehr en vogue war. Aber die Reisevorbereitungen sind minimal, die Kosten gleich null und Gefahren lauern auch nicht. Keine Diebe, die einem Reisenden auflauern, kein unbekanntes Essen, das man nicht verträgt, sondern nur Ruhe und Entspanntheit. So nimmt er uns mit in sein rechteckiges Zimmer, 36 Schritte sind es entlang den Wänden, möbliert, unter anderem, mit einem Schreibtisch, einem Lehnstuhl und einem behaglichen Bett. Bei seinen Wanderungen durch den Raum beschreibt er die Gegenstände, taucht ein in Erinnerungen, findet alte, längst vergessenen Briefe, reflektiert, philosophiert und man hat den Eindruck, er genießt diese Zeit, die ihm Muße gibt, über sich und die Welt nachzudenken. Wenn Sie sich mit dem Autor Xavier de Maistre auf den Weg machen wollen, dann hören Sie sich den Podcast beim Bayerischen Rundfunk unter http://dpaq.de/T8rs0 an.

Und wie sähe Ihr Weg durch Ihre Wohnung, durch ein Zimmer darin aus? Wohnungen sind etwas sehr Privates und sagen viel über den Bewohner, die Bewohnerin aus.

Es gibt die Menschen, die alles vollgestellt haben, an den Wänden sieht man vor lauter Bildern keine Tapete mehr, und es gibt die Puristen, wo jedes Möbelstück sorgfältig seinen Platz zugewiesen bekommt. Hier ist viel Platz zwischen den Gegenständen, jeder soll seine Wirkung entfalten können. Die meisten Menschen sind aber wohl zwischen diesen beiden Extremen angesiedelt. Im Laufe des Lebens sammelt sich einiges an Erinnerungsstücken, vielleicht auch Erbstücken aus der elterlichen Wohnung an, was im ersten Moment vielleicht nicht zu dem vorhandenen Mobiliar passt. Doch mit der Zeit werden diese Möbel zu unseren Möbeln, zu unserer Geschichte. Und dann gibt es noch die Souvenirs von Reisen in ferne Länder oder von Wanderungen in der Umgebung, wo man einen wunderschönen Stein gefunden hat, den man nicht liegen lassen konnte. Bilder, die man in einer kleinen Galerie entdeckte, eine kleine Skulptur und schon ist das Wohnzimmer seines Purismus beraubt, aber es stört nicht. Nicht zu vergessen die Fotos, die in Alben und Schuhkartons ihr Dasein fristen, heute im Computer gespeichert sind, die unsere Erinnerungen auch an Freunde und Verwandte wecken, die schön länger verstorben, aber in Gedanken noch bei uns sind. Eine getrocknete Rose wie bei von Maistre, die ihn an eine verlorene Liebe denken lässt. Und Kinder oder Enkelkinder können eine aufgeräumte Wohnung in null Komma nichts in ein Chaos verwandeln.

Mit den profanen Tätigkeiten wie kochen, putzen, aufräumen musste sich Xavier de Maistre allerdings nicht befassen. Dafür hatte er seinen Diener, der ihn versorgte und auch immer wieder Anstoß zu philosophischen Überlegungen gab. Das Alltägliche wird so zu etwas Besonderem. Trotz der 42 Tage Hausarrest langweilt sich der Autor nicht und schreibt seine Beobachtungen und Gedanken auf, weil er sie mit möglichst vielen Menschen teilen will.

Da wir im Allgemeinen keine dienstbaren Geister haben, die unsere Unordnung beseitigen, haben wir in der Zeit der Ausgehbeschränkungen vielleicht unsere Wohnung selbst aufgeräumt, Akten und Briefe geordnet, verloren Geglaubtes wiedergefunden und manche Entdeckung gemacht von Ereignissen, die man schon vergessen hatte.

Man ist erstaunt, wie weitsichtig man schon vor vielen Jahren war. Verwundert, dass sich einiges immer noch nicht geändert hat, aber vieles doch besser geworden ist. Vielleicht sollte man auch darüber nachdenken, seine eigene Geschichte aufzuschreiben, bevor sie in Vergessenheit gerät.  Ein heutiger Dichter, Eckhard Herrmann, vergleicht unser Leben mit einem bunten Garten, in dem viele unterschiedliche Blumen blühen, aber auch Unkraut, das uns Arbeit und Mühe macht, Dornen und Stacheln, die uns verletzen und uns Schmerzen bereiten. Aber all das gehört zum Leben, und wir dürfen Gott dankbar sein, denn auch im Unvollkommenen zeigt sich die Liebe Gottes.

Machen Sie sich auf die Reise durch Ihr Zimmer, Ihre Wohnung und erleben Sie dabei Wunderbares. Denn es ist Christi Himmelfahrt, die wir am Donnerstag feiern. Daher erreicht Sie dieser Brief auch früher als sonst.

Vielleicht können wir den Himmelfahrtsgottesdienst bei Sonnenschein im Grünen feiern.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende.

Inge Gehlert,
Landesvorsitzende

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