50 Jahre Frauenordination in Bayern: Käthe Rohleder - Auf Umwegen zum Pfarramt
Es war ein langer Weg ins Pfarramt für evangelische Theologinnen, in Bayern war der Weg noch ein wenig länger. Erst 1975 entschied die Landessynode den Frauen das Pfarramt mit allen Rechten und Pflichten zu öffnen. Dabei kann die Frauenordination als bereits in der Reformation angelegt verstanden werden, nur die Erkenntnis reifte langsam. Zu Beginn 1976 ordinierte die Landeskirche die ersten Theologinnen, manche, wie Käthe Roleder, nach vielem Jahren Dienst als Pfarrvikarin.
Käthe Rohleder, 1910 in Langenbielau/Schlesien geboren, wuchs in einem liberal-demokratischen Elternhaus auf. Früh zeigte sich ihr unangepasstes Wesen und ihre soziale Sensibilität, geprägt durch ihre Großmutter, die durch ihren ehrenamtlichen Dienst am Nächsten als „Engel des Dorfes“ galt. Schon als Jugendliche entstand in ihr der Wunsch, seelsorglich für Frauen tätig zu sein. Eine chronische Gelenkschwäche hinderte sie an einer musikalischen Laufbahn, stärkte jedoch ihr Mitgefühl für kranke Menschen.
1932 begann sie ein Theologiestudium in Breslau. Dabei lernte sie ihren späteren Mann, einen Theologen, kennen, den sie im Jahre 1934 heiratete. 1935 und 1939 wurden ihre beiden Söhne geboren. Ein tiefer Einschnitt war der Tod ihres Mannes 1941 an der Front, der sie zu einem erneuerten Glauben führte. Die Flucht aus Schlesien 1945 brachte sie und ihre Kinder in lebensbedrohliche Situationen. Nach Kriegsende arbeitete sie vier Jahre als Großmagd auf einem Bauernhof, bevor sie über die Innere Mission wieder Anschluss an kirchliche Arbeit fand.
1949 war sie in einem Privatkinderheim in Linz/Rhein tätig, bevor sie 1950 ihr Theologiestudium in Marburg und Erlangen fortsetzte – trotz großer finanzieller Not. Nach bestandenen Prüfungen wurde sie Vikarin in Fürth und unterrichtete an Volks- und Berufsschulen. Eine Pfarrstelle für Frauen gab es damals noch nicht.
Anfang 1955 wurde in Fürth unter der Trägerschaft des Deutschen Evangelischen Frauenbunds (DEF) ein „Wohnheim für Mädchen in truppenbesetzen Gebieten zur Resozialisierung“ eröffnet. Dort lebte und arbeitete sie von Beginn an, übernahm Andachten, Seelsorge, praktische Aufgaben und begleitete unzählige Frauen in Not. Viele verdankten ihr neue Lebensperspektiven oder sogar ihr Leben. Das Haus entwickelte sich zu einer wichtigen Zufluchtsstätte für alleinerziehende und misshandelte Frauen und wurde vom Diakonischen Werk als Modelleinrichtung anerkannt. Als 1961 dort das Frauenwohnheim und das Apartmenthaus für Mütter mit Kindern vom DEF-Landesverband Bayern, eröffnet wurde, kam die Gesamteinrichtung zum Aufgabenbereich von Pfarrvikarin Rohleder hinzu.
Ab 1967 übernahm sie zunehmend Leitungsverantwortung: zuerst als 2. Landesvorsitzende des DEF Bayern, 1968 als 1.Vorsitzende des Freundeskreises e.V. im DEF. Von 1969 bis 1985 war sie Vorstandsmitglied der Evangelischen Frauenarbeit in Bayern; von 1972 bis 1982 Mitglied im Vorstandsrat des DEF auf Bundesebene und in Fürth des Vorstands des Diakonischen Werks. Sie war Mitbegründerin des Evangelischen Rundfunkdienstes in Bayern. Für ihr Engagement erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und den Bayerischen Verdienstorden.
1976 wurde sie als erste examinierte Theologin in Bayern ordiniert – ein historischer Schritt nach der Einführung der Frauenordination. Ihr seelsorgerlicher Schwerpunkt lag - neben ihrer zum Teil ehrenamtlichen Tätigkeit im Haus für Mutter und Kind - in der Krankenhausarbeit, wo sie mit großer Direktheit und Glaubenskraft wirkte.
Grundlage für diesen Beitrag ist ein Artikel von Johannes Opp, erschienen 1985 in: „40 Jahre Frauenordination. Über den Weg der Theologinnen ins Pfarramt in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern“, hrsg. von der Frauengleichstellungsstelle der ELKB, nachzulesen https://www.bayern-evangelisch.de/epaper/40-jahre-frauenordination/epaper/ausgabe.pdf
Hinweis: Käthe Rohleder ist eine der 140 Frauen, die im Projekt FrauenOrte in Bayern vorgestellt werden. Hier werden die Leistungen von Frauen aus verschiedenen Epochen und Bereichen der Gesellschaft sichtbar gemacht und geehrt. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales getragen. FrauenOrte | Bayerns Frauen - Jede anders stark!


