Von der Suppenhilfe zur Lebenshilfe

Soziale Einrichtungen

Die Evangelische Frauenhilfe Hof kann auf 100 Jahre ununterbrochene Arbeit zurückblicken

Dies ist der Tag, den der HERR macht,

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein“.

Psalm 118,24

 

Dieses Psalmwort haben wir bewusst schon Anfang des Jahres als Motto für das Jubiläum gewählt, denn es drückt die Freude und Dankbarkeit darüber aus, dass unsere Evang. Frauenhilfe Hof heute auf 100 Jahre ununterbrochene Arbeit zurückblicken kann.

 

Rückblick über die Jahre 1919-1969

Im Jahre 1919 - nach verlorenem 1. Weltkrieg und der bitteren Not die dadurch entstanden war - Männer keine Arbeit, Trauer um Gefallene, knappe Lebensmittel, keine Wäsche etc. – versuchte Dekan Philipp Nürnberger mit seinen Mitarbeitern, Mittel und Wege aus der Not heraus zu finden.

In dieser Zeit zog Pastor Thieme aus Berlin von Stadt zu Stadt und hielt Missionsvorträge.

Im Einvernehmen mit Dekan Nürnberger lud er zu einer Versammlung am 22. Februar 1919 in die Hofer Lorenzkirche ein und rief dabei Frauen und Mädchen auf, sich zu einer Hilfsorganisation zusammenzuschließen. Dank seiner eindringlichen und aufrüttelten Worte, trugen sich spontan sehr viele Frauen in Helferlisten ein.

Unter dem Namen „Evangelische Frauenhilfe Hof“ wurde der Verein dann auch ins Register eingetragen und der Vorstand war Dekan Nürnberger und die 1. Vorsitzende Frau Marie Schmid.

In der Gründungsversammlung 1919 wurden dann die verschiedensten Arbeits- und Aufgabengebiete festgelegt.

Dienst an den Kranken und Betagten - Geschenke verteilen

Blumenmission – Altäre von Kirchen zu besonderen Festtagen schmücken

Schriftenmission – Trostblätter an Kranke und Gefangene zu verteilen

Kurrendegesang – konnte sich nicht bewähren, mangels Knabenstimmen

Lebensmittelverteilung – Stadtrat stellte Reis zur Verfügung, der von den Frauen der Frauenhilfe 3-mal im Jahr verteilt wurde.

Seelsorgebibelkurs – neues Aufgabengebiet – für Mitarbeitende zum Aufbau und Stärkung der Arbeit mit verschiedenen Themen.

Die Hofer Industrie- und Geschäftsleute standen dieser Idee sehr wohlwollend gegenüber und überließen großzügige Spenden in Form von Stoffballen, Geld und Nahrungsmitteln. Es wurden Nähmaschinen angeschafft und bald waren 100 Frauen und Mädchen aktiv in verschiedenen Bereichen im Einsatz- und es gab genauso viele passiv unterstützende Frauen

Dadurch ließen sich die verschiedenen Arbeiten nicht mehr in den zur Verfügung gestellten privaten Räumen von Kommerzienrat Schmid durchführen. Mit Erfolg konnten die Frauen 1920/21 zunächst einmal in die „Herberge zur Heimat“ umziehen, was aber aus praktischen Gründen nicht auf Dauer währte.

Durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch 1923 stellten Bäcker und Metzger ihre Waren zur Verteilung zur Verfügung.  Auf Grund dieser schrecklichen Notstände der 20-er Jahre veranlasste die Frauenhilfe, die stadtbekannt gewordene „Suppenhilfe“ zu organisieren. Erkrankte Mütter und deren Familien wurden einmal am Tag mit einer warmen Mahlzeit von den Mitgliedern der Frauenhilfe versorgt.

In den Jahren um 1933 wurde während der Wintermonate eine Art „Winterhilfe“ durchgeführt. Es fand eine regelmäßige Speisung von rund 200 Kindern statt.

Die leitenden Damen der Frauenhilfe hatten gute Beziehungen zur Textilindustrie der Stadt. Sie waren teils Unternehmersgattinnen- und so lag es für die Frauenhilfe nahe, mit Hilfe der Textilspenden die „Bekleidungshilfe“ zu organisieren.

In der Nähstube traf man sich um die Textilien zu verarbeiten, als Leib -oder Bettwäsche.

Schwerpunkte waren auch die „Weihnachtsbeihilfen“ für das Kinderheim Heerdegen, die Alten- und Pflegeheime sowie die „Konfirmandenhilfen“. Schon damals traf man Absprachen mit den Pfarrämtern und die Kinder bedürftiger Familien bekamen neben der Wäscheausstattung auch ihren Konfirmationsanzug / -kleid und meist auch das erste Gesangbuch.

Der damalige Jugend- und Wohlfahrtsdienst übernahm das von Fräulein Helene Hieber vermachte Haus, welches als Legat ausbezahlt werden musste. In dem sog. „Hieberhaus“ in der Bürgerstrasse 6, ließ Dekan Breit einen großen Saal mit Nebenräumen für die Frauenhilfe herrichten.

Hier wurden u.a. Bibel- und Singstunden gehalten, wo sich die Helferinnen Kraft für Ihren Dienst holen konnten.

Auch die Frauenhilfe trat während des 2. Weltkrieges in den Hintergrund, da es von staatlicher Seite aus nicht erwünscht, bzw. nicht gern gesehen wurde.

So überstand der Verein die Dreißiger und Kriegsjahre. Die genähten Sachen gingen teilweise an die NS Volkswohlfahrt, aber der Kontakt zu den Bedürftigen ging nie verloren.

Das „Hieberhaus“ wurde bei Kriegsende mit Flüchtlingen belegt und so verliefen sich die Helferinnen und die Frauenhilfe schien am Ende zu sein.

Um ca. 1948 ermöglichte die Beherztheit vieler Frauen aus Hof einen Wiederbeginn ihrer segensreichen Tätigkeit. Einmal stellte die Frauenhilfe sogar eine Altar -und Kanzelbekleidung her, die nach Afrika aufs Missionsfeld ging.

In enger Zusammenarbeit mit der Stadtmission konnten die Frauen ihren Dienst in der Herberge zur Heimat und im Bischof-Meiser-Haus ausüben.

Aber nicht nur die Kirchengemeinden bekamen Weihnachtspäckchen für hilfsbedürftige Personen, sondern den Frauen der Frauenhilfe war es Anfang der 50 er und 60 er Jahre ein immer größeres Anliegen, den Schwestern und Brüdern in der „Ostzone“ mit viel Liebe gepackte Pakete zu senden. Besonders wurde die Mecklenburgische Patenkirche bedacht.

 

Die nächsten 25 Jahre 1969-1994

Im April 1969 konnten die neuen Räume in der Luitpoldstr 18 endgültig und mit fester Bleibe bezogen werden. Viele fleißige Hände packten mit an; zudem trafen die Frauen Vorbereitungen für das 50-jährige Jubiläum in der Bürgergesellschaft.

Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre wurde ein deutlicher Rückgang zur Unterstützung der Konfirmanden verzeichnet. Waren es im Jahr 1986 noch 11 Konfirmanden, denen die Frauenhilfe Gesangbücher oder auch Kleidung zukommen ließ, haben 1990 nur noch 3 Konfirmanden um Unterstützung gebeten.

1994 feierte die Frauenhilfe ihr 75-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst in der St. Michaeliskirche unter Mitwirkung von Pfarrer Dr. Sticht, der die Predigt hielt und einem anschließenden Empfang in den Gemeinderäumen der St. Michaeliskirche. Er verfasste - so wie heute Pfarrer Danner – als Landespfarrer der Bayer. Diakonie und ehemaliger Geschäftsführer des Diakonischen Werkes einen Artikel zur Veröffentlichung in der Dekanatsbeilage des Sonntagsblattes, den man auch auf der Stellwand nachlesen kann.

Die Mitgliederzahlen sanken- bedingt durch Todesfälle - so konnten nur noch 162 Mitglieder verzeichnet werden.

 

Die letzten 25 Jahre 1994 – 2019

In den letzten 25 Jahren – 1994 bis 2019- gab es keine wesentlichen oder gravierenden Veränderungen im Ablauf der Frauenhilfe.

Durch viele Umstrukturierungen in der Geschäftswelt von Hof gibt es viel weniger Spenden: Die  Inhaber leben meistens nicht mehr hier und haben dadurch keinen Bezug mehr zur Frauenhilfe.

Die bedeutenden Geschäftsfrauen sind verstorben, die von den Geschäften unermüdlich Spenden sammelten und auch bekommen hatten, wie z. B. von Schmidtbank, Textilgruppe, Brauereien oder Fa. Hassmann.

2004 wurde die Satzung überarbeitet und den aktuellen Gegebenheiten angepasst, sodass die Mitgliedschaft in der Frauenhilfe nicht mehr von der Konfession abhängig ist.

Die Arbeitsaufgaben haben sich geändert. Es wird nicht mehr Bettwäsche, Leibwäsche (z.B. Unterhosen, Unterhemden, Nachthemden, Schlafanzüge, Mäntel) etc. genäht, sondern aus geschenkten Materialien- z. B. Mustercoupons- Decken – eine Art Patchwork Decken gefertigt, die großen Zuspruch finden. Oder aus festeren Stoffen stellen die Frauen Handtaschen, Rucksäcke, Kissen etc. her.

Sogar aus Stoffresten werden liebevolle und individuelle Puppenkleider genäht. Aus meist geschenkter Wolle werden gewissenhaft Socken gestrickt, die sich auch der Beliebtheit erfreuen. Die Abteilung der Blumenfrauen ist immer fleißig am Sammeln von Blumen, Gräsern etc., um dann daraus wunderschöne Kränze zu binden.

Es wird nach wie vor mit den Evang. Kirchengemeinden gut zusammengearbeitet.

 

Die Zeiten haben sich geändert, nicht jedoch der Auftrag, so wie es in Matth.25, 31 ff geschrieben steht über die sieben Werke der Barmherzigkeit.

Die Arbeit der Frauenhilfe soll so gesehen werden:

„Tue deinen Mund auf für die Stummen. Hilf denen, die sich selbst nicht helfen können.“

Die Frauenhilfe ist für alle sich in Not befindlichen Menschen da und stellt sich in den Dienst am Nächsten und unter dem Auftrag von Jesus Christus.