Schmeckt es noch? - Bittere Ausbeutung im Kakaoanbau

Verbraucherbildung

Im Supermarkt liegen fast ein Dutzend verschiedene Tafeln Schokolade. Auch die Auswahl an Schokoriegeln, Pralinen, Keksen mit Schokolade und ähnlichem Naschwerk ist riesig. Es sind auch zwei fair gehandelte Produkte darunter. Die billigste Schokolade kostet weit unter einem Euro.

Doch wer deckt uns so überreich den Tisch?  Es sind Millionen Menschen, genauer 40 Millionen, die weltweit den Kakao anbauen. Die Pflanze wächst im Äquatorgürtel rund um den Erdball, in Mittel- und Südamerika, Afrika, Indien und dem südlichen Fernen Osten. Die Hauptanbaugebiete liegen alle in Afrika. Vor allem die Elfenbeinküste, aber auch Nigeria und Ghana. Die Elfenbeinküste ist auch der Hauptlieferant für die Kakaoprodukte, die in Deutschland hergestellt und verkauft werden.

Die Früchte werden mit Langmessern von den Bäumen abgeschlagen. Kakao wird aus den Bohnen im Inneren der gelblichen Schoten gemacht. Sie werden mehrere Tage in Bananenblättern fermentiert und dann auf großen Tischen an der Sonne getrocknet. In den Herkunftsländern findet kaum Veredelung statt. Die Röstung und Vermahlung sowie das Produzieren von Schokolade wird in den Industriestaaten gemacht.

Nicht mal ein Viertel der Kakaobauern ist in Genossenschaften oder Kooperativen organisiert. Für die einzelne Erzeugerfamilie ist es daher schwer, einen guten Preis für die Arbeit zu erzielen. Die Antwort ist nicht, sich zu Verbünden zusammmenzuschließen, um einen besseren Preis mit den Fernhändlern bzw. Einkäufern der Süßwarenkonzerne aushandeln zu können, sondern man sucht die Lösung in mehr Anbaufläche. Das bedeutet die weitere Zerstörung des Regenwaldes.

Armutslöhne von umgerechnet nur 50 Cent pro Tag sind in Cote d’Ivoir üblich. Das bei einem Satz von 1,50 Euro, unter dem laut den Berechnungen der UNO jemand als äußerst arm gilt. Über 2 Millionen Kinder, die wendig und geschickt sind und bei der Ernte und den ersten Produktionsschritten eingesetzt werden, gehören zum Heer der Kakaoarbeiter. Organisationen wie die International Cocoa Initiative bemühen sich um die Kinder durch Verbesserung der Produktion und Aufklärung der Produzenten-Familien, aber nur wenige Firmen arbeiten mit der Initiative zusammen. Einzelne Hersteller tun etwas und zahlen besser, wenige.  Würde nur etwas mehr – noch nicht einmal fair – bezahlt, könnten ihre Eltern die Kakaokinder zur Schule schicken statt in die Plantage. Da bleibt die Frage: Schmeckt es noch? Zumal einige Schokoladehersteller im Augenblick damit werben, weniger Zucker und dafür mehr Kakao aus allen Anbaugebieten der Erde ihren Produkten beizufügen. Unsere billige Schokolade kann nicht fair sein. Auch mehr Anbaufläche ändert nichts daran. Die Ungerechtigkeit dieses Handels ist und bleibt bitter.

Bettina Marquis

Bild: Kakaobaum, Botanischer Garten Karlsruhe,  CC BY-SA 3.0

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Kakaofrucht, Kakaobaum, Botanischer Garten Karlsruhe, CC BY-SA 3.0

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