Ist Plastikmüll vermeidbar?

Verbraucherbildung

Veranstaltung von DEF/AEH und der Verbraucherzentrale Bayern zur Europäischen Woche der Abfallvermeidung

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat drei Jahre lang den Themenbereich „Nachhaltiger Konsum“ bearbeitet, dieses Jahr unter dem Aspekt „Verpackungsmüll“. 2018 war auch das Jahr, in dem diese Müllmengen - vor allem im Wasser, in den Meeren - der Öffentlichkeit so richtig bewusst gewor­den sind. Auch der Teilbereich Mikroplastik hat viel Interesse gefunden, nehmen wir diese Plastik-Klein­teile doch letztlich über die Luft und die Nahrung in uns selbst auf. Eine österreichische Studie wies erst kürzlich, von den Medien vielbeachtet, Mikroplastik selbst in menschlichen Exkrementen nach.

So lagen der DEF und die Verbraucherzentrale Bayern mit ihrer Kooperationsveranstaltung „Wege aus der Wegwerfgesellschaft – Geht ein Leben ohne Plastik?“ richtig. Die Veranstaltung in München im Saal des Hauses am Kufsteiner Platz war zugleich als Aktion auf der Webseite der „Europäischen Woche der Abfall­vermeidung“, in der sie eigens zeitlich angesiedelt worden war, gemeldet.

DEF-Bildungsreferentin Dr. Bettina Marquis begrüßte und steuerte gleich einige alltägliche Beobachtungen von Wegwerf-Kaffeebechern und dem vermüllten Bahnsteig vom selbigen Tage bei. Lydia Klein als Vor­sitzende des Arbeitskreises „Verbraucherpolitik“ der AEH und zugleich Vorsitzende des Verwaltungsrates der Verbraucherzentrale Bayern war prädestiniert da­für, von beiden Kooperationspartnern zum Publikum die Brücke zu schlagen. Sie führte in das Thema ein und stellte auch die Verbraucherbildungsarbeit von AEH und DEF vor. Die Hauptreferentin Heidemarie Krause-Böhm, Referatsleiterin für Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit bei der Verbraucherzentrale Bayern, informierte neutral zunächst darüber, was Plastik ei­gentlich ist. Kunststoffe werden zu einem Viertel im Bau, aber zu 38 Prozent in der Verpackung verwendet.

Durch Einwegverpackungen und Einweggetränkeflaschen hat sich in den vergangenen Jahren das Aufkommen und somit auch der Müll noch gesteigert. Ein Übriges tun nicht reparierbare Haushaltsgeräte aus Plastik und Billigläden mit einem hohen Anteil an Plastikpro­dukten. Auch entsteht viel Plastikmüll im und durch den Versandhandel.

Der Plastikmüll landet zuletzt im Meer, wo er Drei­viertel des dort angefundenen Mülls ausmacht. Durch Zersetzung werden die Teile immer kleiner, zersetzen sich aber nur sehr langsam, wobei sie auch noch Schadstoffe freisetzen. Verschiedene Pfandsys­teme (PET-Mehrweg und Glasflaschen) wurden mit­einander verglichen. Mehrweg ist immer besser als Einweg. Hingegen sind Agrokunststoffe - zum Beispiel als Tüten für Kompostmüll - nicht besser als andere Plastiktüten. Sie verrotten im privaten Kompost keineswegs gut, da sie auf hohe Temperaturen ange­wiesen sind.

Gegentrends zur Plastikmüllflut aus dem Handel setzen bewusste Verbraucherinnen und Verbraucher mit ihren eigenen Tragetaschen und Schachteln, in die Fleisch und Wurst gegeben werden können.

Die EU-Plastikstrategie zielt auf das Verbot unsinniger Produkte wie Plastikohrenstäbchen oder -strohhalme. Jedoch werden Millionen Tonnen Plastikmüll aus Deutschland und anderen Industrienationen immer noch exportiert, auch wenn China dem dieses Jahr einen Riegel vorgeschoben hat.

Empfehlenswert ist ein anderes Verhalten: Schon beim Einkauf steht die Frage nach der Notwendigkeit, denn wir alle kaufen zu viel. Kann man das Produkt lange verwenden, reparieren oder wenigstens gut recyceln? Basare und Tauschpartys ermöglichen Pro­dukten ein zweites Leben. Zu den Dingen, die einzelne Menschen tun können, gehören auch der Verzicht auf Kaffeekapseln und Einwegflaschen, das Trinken von Leitungswasser oder auch die Beschwerde bei Händlern und Produzenten über übermäßige Ver­packung, so die Tipps der Referentin.

Sehr anschaulich waren die Müllmengen dargestellt auf einigen Abbildungen für die Wanderausstellung der VZ Bayern „Rette die Welt – wenigstens ein biss­chen!“ Aber Recycling reicht nicht: Plastikverpackun­gen müssen nach den Worten der Bundesumwelt­ministerin Svenja Schulze vermieden werden, im All­tag wie in der Industrie.