"Frauen auf den Sockel!"

100 Jahre Frauenwahlrecht Reformation

Reisebericht von der Herbstfahrt des DEF nach Weimar und Leipzig

Die herbstliche DEF-Frauenfahrt führte zuerst nach Weimar, dem Geburtsort der Weimarer Verfassung. Die Gedenktafel am Nationaltheater erinnert daran. Sie wurde von Walter Gropius geschaffen, der hier 1919 das Staatliche Bauhaus gegründet hatte. Bekannt ist Weimar natürlich vor allem dank der Klassiker wie Goethe und Schiller, die uns von ihrem Sockel herab vor dem Nationaltheater empfingen.

Im Zentrum der Frauenfahrt standen aber tatkräftige „Frauen auf dem Sockel!“. Frauen wurden bereits in der 1860 gegründeten Kunstschule aufgenommen, ebenso in der neuen Schule für Kunst und Architek­tur, dem Bauhaus, dessen Konzept eine Zusammen­führung von Kunst und Handwerk darstellte. Da man den Frauen das räumliche Denken absprach, bekamen nur wenige Frauen einen Studienplatz. Sie sollten sich mehr den kunstgewerblichen Fächern widmen, nicht den handwerklichen; diese sollten in erster Linie den männlichen Studenten vorbehalten sein.

Der direkte Vorläufer des Bauhauses war die von Henry van de Velde 1907 gegründete Kunstgewerbe­schule. Der Kunststil Bauhaus sollte ein Zeichen gegen all die Schnörkel vergangener Stilepochen sein, zurück zu Einfachheit und Klarheit. Das Bauhaus-Museum war nicht zu besichtigen, da es erst 2019 zum 100-jährigen Gründungsjubiläum wieder eröffnet wird. Es soll möglichst alle noch vorhandenen Exponate dieser Kunstrichtung zeigen. Einen Blick in die Bau­haus-Universität, die erst seit 1996 den Namen dieser bedeutenden Designschule trägt, blieb auch ver­wehrt, weil momentan eine Dokumentation zur Geschichte des Bauhauses gedreht wird. Am Schluss der Führung gab der Reiseführer noch einen Buch­tipp: „Bauhaus-Frauen – Meisterinnen der Kunst, Handwerk und Design“, Autorin: Ulrike Müller, Elisabeth Sandmann Verlag GmbH, ISBN 978-3-938045-36-7. www.esverlag.de.

Zeugnis des klassischen Weimars ist Goethes Wohn­haus, in dem er fast 50 Jahre lebte. Daneben befindet sich das Goethe-Nationalmuseum. Auch an Schillers Wohnhaus kamen wir vorbei. Die Stadtkirche St. Peter und Paul stammt aus der Zeit der Stadtgründung um 1250. Martin Luther predigte hier auch. Vor der Kirche steht das Denkmal Johann Gottfried Herders, das von Ferdinand von Miller 1848 gegossen wurde.

Am zweiten Tag unserer Reise machten wir erst eine Stadtführung durch Leipzig. Wir kamen an Johann Sebastian Bachs Wirkungsstätte und Aufführungsort des Thomanerchors, der Thomaskirche, vorbei. Wir bewegten uns aber auf den Spuren von Frauen, die Leipzig und seine Geschichte mit geprägt haben wie Louise Otto-Peters, Auguste Schmidt und Henriette Goldschmidt, die 1865 den Allgemeinen Deutschen Frauenverein gründeten, denn unsere Reise hat im Untertitel „Engagierte Frauen von der Reformation bis zur Wende“. Eine kleine Tafel weist auf ein Wohn­haus hin, in dem Clara Schumann einen Teil ihrer Kindheit verbrachte. In der Mädlerpassage kam uns beim Anblick der Statuen von Faust und Mephisto das Gretchen in den Sinn. Hier befindet sich auch Auerbachs Keller.

Viele starke Frauen lernen wir auf dem aus dem 12. Jahrhundert stammenden Schloss Rochlitz kennen. Hier führte die 1502 in Marburg geborene Schloss­herrin und junge Witwe Elisabeth von Rochlitz gegen den Willen ihres Schwiegervaters die Reformation ein. Nicht indem sie den neuen Glauben vorschrieb, sondern ihn vorlebte und es den Bürgern freistand, sich ebenfalls dazu zu bekennen. Sie starb 1557 in Schmalkalden, nachdem sie im Schmalkaldischen Krieg für ihren Bruder, Herzog Philipp von Hessen, spionierte. Offizieller Name der Herzogin von Rochlitz war Elisabeth Herzogin von Sachsen. Sie hinterließ tausende von Briefen, mit denen sich nicht nur ihr Kampf um den Glauben nachempfinden lässt. Amalia von Sachsen (1436 – 1501), verheiratete Herzogin von Bayern-Landshut, ließ einen Teil der Räume im Schloss neu gestalten. Sie zeugen von ihrer Frömmigkeit, außerdem war sie bekannt für ihre Reliquien. Das Bild der Ährenkleidmadonna erinnert wahrscheinlich an ihre Zeit in Niederbayern, wo sie Mariendarstellungen kennen und schätzen lernte.

Höhepunkt der Schlossführung war die Theaterauf­führung „Es reicht“ der Gruppe Septem Mulieres, in der Agatha Christie ein neues Buch schreibt und sieben starke Frauen 100 Jahre Frauenwahlrecht feiern lässt. Bei der flammenden Rede von Anita Augspurg auf dem Internationalen Frauenkongress im Haag 1915 wurden wir mit einbezogen und erhielten die „Beitritts-Erklärung für Delegierte“ sowie den „Aufruf an die Frauen aller Völker“. Unter anderem traten Clara Zetkin, die sozialistische deutsche Politikerin, Frie­densaktivistin und Frauenrechtlerin, Rosa Luxemburg, die promovierte einflussreiche Vertreterin der euro­päischen Arbeiterbewegung und des „proletarischen Internationalismus“ sowie Elisabeth Selbert, die deut­sche Politikerin und Juristin und eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“, auf. Die Aufnahme der Gleichbe­rechtigung in den Grundrechteteil der bundesdeut­schen Verfassung war zum großen Teil ihr Verdienst.

Bevor wir am dritten Tag unsere Rückreise antraten, besuchten wir den Gottesdienst in der Nikolaikirche, der ältesten und größten Kirche Leipzigs und 1989 zentraler Ausgangspunkt der friedlichen Revolution in der DDR. Anschließend tranken wir noch eine Tasse Kaffee auf Einladung der Gemeinde und kamen so mit vielen Gemeindemitgliedern ins Gespräch, u.a. mit Pfarrer Enno Haaks, der an diesem Sonntag den Gottesdienst übernommen hatte.

Lilo Wendler

 

 

Weltgebetstagsland in Slowenien - Evangelisch in Slowenien

 

Pfarrer Enno Haaks hat uns in seiner Eigenschaft als Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werks gebeten, im Hinblick auf den Weltgebetstag der Frauen 2019 auf eine neue Broschüre hinzuweisen:

„… alles ist bereit“ - Evangelisch in Slowenien

Slowenien ist das Weltgebetstagsland 2019. Das Themenheft stellt Menschen aus dem kleinen Balkan­land vor, porträtiert überaus lebendige evangelische Gemeinden und erklärt, warum die evangelische Kirche – obwohl sie eine Minderheitskirche ist – höchstes Ansehen im Land genießt.

„Kirche in Slowenien funktioniert anders als Kirche in Deutschland. Wir haben keine Kirchensteuer, keinen Religionsunterricht an den Schulen und unsere Pfarrer haben keine Sekretärin. Nicht einmal ich als Bischof habe eine Sekretärin.“ Geza Filo, Bischof der Evange­lischen Kirche A.B. in Slowenien.

Hrsg. Gustav-Adolf-Werk e.V., 52 Seiten, 5 €,
ISBN 978-3-87593-131-0

Bestellungen: E-Mail: verlag@gustav-adolfwerk.de, Tel.: 0341.490 62 13, www.gustav-adolf-werk.de/neuerscheinungen.html sowie im Buchhandel