Ein Sommernachmittag aus der Zeit

Christinnentag im Bayerischen Landtag zum Thema "Zeit"

Zu den guten Folgen der Reformationsdekade gehört auch der inzwischen traditionelle Christinnentag im Bayerischen Landtag, zu dem die SPD-Fraktion einlud. Diana Stachowitz, Abgeordnete aus München, begrüßte die Gäste im Senatssaal des Landtags auch im Namen ihrer Kollegin Kathi Petersen MdL (Schweinfurt) und nahm sie mit auf eine „Zeitreise“. In Reden und sehr lebendigen Tischrunden wurden für alle Frauen wichtige Fragen zum Thema Zeit erörtert:  Für was haben Frauen in unseren Tagen Zeit, für was nicht, wofür reicht die Zeit, welche Zeit ist zu knapp, welche Zumutungen bringen welche Zeiten mit sich?

Die Landesvorsitzende des DEF Inge Gehlert hielt ein bewusst kurz gehaltenes, auch vom Dachverband der Evangelischen Frauen in Bayern (EFB) mitgetragenes Grußwort, in dem sie sich mit der Zeit  als gelebter Erfahrung als auch zu gestaltender Zukunft auseinandersetzte. Dafür verwandte sie das Bild der Zeit als „Tanzpartnerin für die Ewigkeit“, das von der Erzbischöfin von Schweden Antje Jackelén stammt.

Für das Landeskomitee der Katholiken sprach die Stellvertretende Vorsitzende und – die Zeit vergeht! – bis vor kurzem auch noch Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes Dr. Elfriede Schießleder. Ihr Vortrag war sowohl wissenschaftlich belegt als auch von ihrer reichen Lebenserfahrung getragen.

Pfarrerin Dr. Dagmar Knecht von der evangelisch-lutherischen Magdalenenkirche in München machte sich Gedanken über „Vollzeit“ und „Teilzeit“ im Pfarramt. Ein Beruf, der immer volle Zeit und Aufmerksamkeit fordert, was manchmal vielleicht auch zu Überforderung durch Ansprüche zu jeder Tages- und Nachtzeit führen mag. Die Erwartungen an eine Pfarrerin oder einen Pfarrer sind schwer mit Arbeitsschutz in Einklang zu bringen, noch schwerer wohl Selbstschutz. Die Pfarrerinnnen in Teilzeit arbeiten weit mehr, als sie beim Gehen auf diese Teilzeit vielleicht gewollt hätten.

Wenn es zuviel ist, zuwenig Zeit, zuviel Belastung, so kann das Menschen krank machen. In diesem so wichtigen Feld zwischen Medizin und Psychologie arbeitet und sorgt die Pastoralreferentin Heidemarie Hürten, Klinikseelsorgerin auf der Onkologie im Münchner Großklinikum Großhadern. Die Krankheiten, die sich infolge von Stress und Überlastung ausprägen, werden von den Betroffenen manchmal als ein Wink, als ein Gewinn an Zeit zur Reflexion des eigenen Lebens, gesehen und angenommen. Eine Krankheit kann auch zur rechten Zeit kommen.

Sehr lebendig sprach die Unterhachinger Abgeordnete und Vorsitzende der Bayern SPD Natascha Kohnen, die gerade im sicher auch nicht stressfreien Landtagswahlkampf steht. Junge Leute, und zwar Frauen wie Männer, wollten eigentlich mehr Zeit für sich und ihre Familie. Aber die Arbeitszeiten und Arbeitsorganisation in Deutschland lässt ihnen oft nicht die Wahl. Auch sind alle davon überzeugt, mit ihren Wünschen nach mehr Zeit und lieber etwas weniger Geld alleine zu sein. Auch Politikerinnen und Politiker haben eine sehr zeitaufwändige Tätigkeit. Aber die Politik muss Visionen haben und entwickeln, wie sich das Leben und Zusammenleben in unserer Gesellschaft zukünftig gestalten kann, damit es lebenswert ist.

Bekanntermaßen haben auch Seniorinnen und Senioren keine Zeit. Sie sind sehr häufig und mit großer Freude in die Betreuung ihrer Enkelkinder eingespannt und engagieren sich auch vielfältig im Ehrenamt. Dieser Bereich wird sogar immer wichtiger, viele Dinge, die für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft wichtig sind, würden ohne Ehrenamt nicht machbar sein. Die ältere Generation tut hier sehr viel. Aber Ehrenamt kostet viel Zeit, zumal da schnell eines zum anderen kommt. Neben der Zeit ist auch Geld ein Problem für alte Menschen, das sprach Gertraud Burkert offen an. Die eigene Zeit zu gestalten ist auch eine Frage des Geldes, und besonders Frauen haben oft nur geringe Renten und sind nicht selten von Altersarmut betroffen. In Bayern sind besonders viele Seniorinnen arm, beinahe 20 Prozent.

In eigens eingeplanten Rederunden gingen die Vortragenden wechselnd an die Tische und sprachen mit den Gästen. Das Modell „Kaffeeklatsch“ funktionierte sehr gut, es entspannen sich gute Gespräche an den Tafeln.

Von der Wichtigkeit, zur Entspannung zu kommen, sprach zum Abschluss wiederum Diana Stachowitz, die das Gehörte zusammenfasste und die ganze Bibelstelle „Alles hat seine Zeit“ (Pred 3,14) in voller Länge und im Zusammenhang vorlas – damit die Frauen sie hören und bedenken konnten und auch die Zeit dafür bekamen. 

Sehr gerne wurde die Gelegenheit zum Gespräch, zum Netzwerken und zur Entspannung auf der Terrasse des Landtags genutzt, bot sich doch neben Essen und Getränken auch ein phantastischer Blick über die schöne sonnenüberglänzte Stadt München, der an Schönheit seinesgleichen sucht.