Zur schönsten Dorfkirche der Welt und alten Kultur am Federsee

Studienfahrt an die Oberschwäbische Barockstraße

Ein gut gefüllter Omnibus brachte Mitglieder des Deutschen Evangelischen Frauenbundes (DEF) Rothenburg über die Oberschwäbische Barockstraße bis zum Federsee nach Bad Buchau, wo Altsteinzeit und Eisenzeit ihre Spuren hinterlassen haben.

Doch zuvor lag am Weg in Steinhausen die „schönste Dorfkirche der Welt", die der DEF mit Führung besuchte. In den Jahren 1721-31 erbaute Dominikus Zimmermann mit seinem Bruder Johann Baptist im Auftrag des Schussenrieder Prämonstratenserabtes Didacus Ströbele die Wallfahrtskirche zu Ehren eines gotischen Gnadenbildes der Schmerzensmutter um 1415. Den reichen Stuck gestaltete Dominikus Zimmermann mit seinen Wessobrunner Mitarbeitern, die Fresken stammen allesamt von seinem Bruder. Die Kirche ist den Aposteln Petrus und Paulus geweiht, sie stehen als Kirchenpatrone am Hauptaltar. Mit dem reichen Stuck aus der Pflanzen- und Tierwelt an den Säulen und Fenstereinrahmungen soll die gesamte Schöpfung den Herrn lobpreisen und dem Betrachter ein Stück Himmel auf der Erde schenken. 365 Engel und Putten grüßen aus allen Ecken. Im Jahre 1865, nach Auflösung des Klosters, ging die Kirche in den Besitz der kleinen Gemeinde Steinhausen mit heute 450 Einwohnern über.

Schussenried liegt nur vier Kilometer entfernt. In dem ehemaligen Gebäude des Klosters, das 1803 aufgelöst wurde, ist heute eine Psychiatrische Landesklinik untergebracht. Die ehemalige spätromanische Pfeilerbasilika, um 1185 erbaut, wurde durch die Jahrhunderte den verschiedenen Stilepochen angepasst und später barockisiert. Das um 1717 geschnitzte Chorgestühl für die Prämonstratensermönche ist nicht nur prachtvoll, sondern stellt heute eine Kostbarkeit dar, die kaum noch bezahlbar wäre. Im Klostermuseum werden die kunsthistorisch wertvollen Objekte aus der Zeit der „weißen Mönche" gezeigt. Die Abtei erhielt im Laufe ihrer Existenz viele Privilegien, so z.B. 1521 die Hohe Gerichtsbarkeit. Deshalb führten die Abte neben dem Krummstab auch das Schwert im Wappen.

Der schönste Schatz des Museums ist der prunkvolle Bibliotheksaal (heute ohne Bücher, die 1803 in alle Himmelsrichtungen verkauft wurden). Dabei handelt es sich um ein spätbarockes Gesamtkunstwerk von 1755-63, das von Jakob Emele geschaffen wurde. Das einzigartige Zusammenspiel von Malerei, Skulpturen und Stuck ist faszinierend, zumal alle Figuren und das Deckenfresko von Franz Georg Hermann das göttliche Wirken in Wissenschaft, Kunst, Technik, Literatur und unter den Weltreligionen zum „Sitz der Weisheit" machen.

In Bad Buchau angekommen, trübt sich der Himmel ein und lässt Wasser fallen. Das Federseemuseum aus Holz und Glas in Bauhaus-Architektur-Manier erbaut, zieht die Blicke auf sich. Wie ein moderner Pfahlbau scheint es über dem Wasser zu schweben. Im Außenbereich wird durch Kreativangebote begehbarer nachgebauter Architektur aus 15 000 Jahren Leben eingehaucht. Der Rundgang führt über nachgebaute Pfahlbauten der Stein- und Bronzezeit bis zur Fischfanganlage aus frühkeltischer Zeit. Im Innern des Museums kann man die im Moor gefundenen Exponate in einer Dauerausstellung bestaunen, die thematisch aufbereitet sind. Die im Federsee gefundenen Holzräder stehen exemplarisch für die Anfänge der Verkehrsgeschichte, die wenigen Funde aus Bast, Stoff- und Geweberesten aus Leinen sind wie ein Blick in einen Modekatalog über 4000 Jahre hinweg. Hier wird vergangene Geschichte zum Anfassen geboten.

Der Federseesteg mit einer Länge von 1,5 Kilometer führt durch meterhohes Schilf direkt zum See und bietet eine ideale Möglichkeit, vom Aussichtsturm in die einmalige Pflanzen- und Tierwelt einen Blick zu werfen.   

Nach der Führung  standen zwei Stunden zur freien Verfügung bis zur Rückfahrt. Im ehemaligen  Kloster Bad Buchau ist heute eine Reha-Klinik untergebracht.

A.Htz.

Fotos DEF/Staudacher - Federseemuseum und Kirche St. Peter und Paul Steinhausen, Chorgestühl Bad Schussenried