Nachhaltiger Konsum - Suffizienz

Verbraucherbildung

vzbv Jahresthema 2016-2018

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv e.V.) analysiert Verbrauchermärkte, deckt strukturelle Miss­stände auf und macht auf Probleme der Verbraucher und Verbraucherinnen aufmerksam. Lösungen werden aufgezeigt und für deren Umsetzung gestritten. Die­se Kernaufgaben bearbeiten rund 200 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Der Verband mit seinem Sitz in Berlin und einem Büro in Brüssel ist die Dachorgani­sation der 16 Verbraucherzentralen der Länder und von 25 sozial- und verbraucherpolitisch orientierten Mitgliedsorganisationen. Das gemeinsame Ziel des vzbv ist, die Verbraucherpolitik in Deutschland und in der Europäischen Union zu gestalten.

Das von den Mitgliedern des vzbv ausgewählte Jahres­thema 2016-2018 behandelt den Nachhaltigen Kon­sum aus verschiedenen Blickwinkeln. Als Unterthe­men wurden „Suffizienz“, „Obsoleszenz und die Reparaturfähigkeit von Produkten“, „Abfallvermei­dung mit dem Schwerpunkt Verpackungsmüll“ gesetzt und von der Netzwerkgruppe Nachhaltiger Konsum für die interessierten Mitgliedsorganisationen in je zwei Jahrestagungen 2016 und 2017 vorbereitet. Zusätzlich gibt es noch eine Lenkungsgruppe, die die thematische Arbeit fachlich berät und begleitet. Zu dieser Lenkungsgruppe gehört auch Sigrid Lewe-Esch, DEF-Delegierte im vzbv. Es ergab sich eine gute Mischung der Zusammenarbeit von Verbraucherzen­tralen der Länder mit den verbraucherpolitisch tätigen Verbänden wie dem DEF.

Nachhaltiges Verhalten ist immer mit einer nach­haltigen Entwicklung verbunden. Diese Entwicklung versuchen der vzbv und seine Mitglieder zu fördern und zu fordern. Ohne „Nudge“, d.h. Anstoß aus der Gesellschaft, wird diese Entwicklung keinen Erfolg haben. Langfristigkeit ist angesagt und ein ständiges Erinnern bzw. Einfordern des Themas Nachhaltiger Konsum, damit die Politik sich seiner annimmt.

Die Netzwerkgruppe hat bis Ende 2017 schwerpunkt­mäßig die Themen „Suffizienz“, „Obsoleszenz“ und „Abfallvermeidung unter Einbeziehung von Verpa­ckungsmüll“ bearbeitet. 2018 wird die Abfallvermei­dung weiter konkretisiert. Für die Europäische Woche der Abfallvermeidung vom 17. bis 25.November 2018 werden von verschiedenen Mitgliedern Aktionen geplant, die von den Teilnehmern am Jahresthema vorbereitet werden. Für verschiedene Zielgruppen wird ein Arbeitspaket für Verbraucherinformationen herausgegeben und danach verbraucherpolitische Forderungen an die Politik gestellt. Das Arbeitspaket soll einen Mustervortrag und ein Modell bzw. Kon­zept für einen Infostand für die Mitglieder enthalten. Aus den Mitgliedsverbänden sollen auch Experten als Referenten angefragt werden können. Eventuell soll auch eine Broschüre entwickelt werden, doch im Moment ist noch keine Finanzierung gesichert. Über diese Arbeiten wird in den nächsten Ausgaben des „def aktuell“ informiert und zum Mitarbeiten einge­laden. Den Beginn macht der Themenschwerpunkt Suffizienz.

Suffizienz: Brauche ich das wirklich?

Suffizienz (von lat. sufficere: reichen, genügen), also Genügsamkeit, auch Sparsamkeit, ist ein Konzept in der Ökologie. Die Idee dahinter ist, zur Schonung der Ressourcen der Umwelt und der Gesellschaft wie auch der eigenen sich bei jedem Vorgang und Produkt, bei jedem Kauf die Frage zu stellen: Brauche ich das wirklich?

Das Angebot der Märkte ist riesig. Wir leben heute als Konsumentin in einem Schlaraffenland. In der Bundes­republik Deutschland können Konsumierende aus dem Vollen schöpfen. Alle nur möglichen Konsum­güter sind käuflich zu erwerben, ebenso können alle denkbaren Dienstleistungen in Anspruch genommen werden.

Als ein bewährtes protestantisches Prinzip gilt der Konsumverzicht. Meine sehr gläubige Großmutter überlegte immer zweimal, ob sie dieses oder jenes unbedingt brauchte und somit käuflich erwerben solle. Ihre kleine Schwester hingegen kaufte spontan gerne Kleidung, die ihr als gerade modern empfohlen wurde. Der Kommentar meiner Großmutter dazu war: „Frieda, wie siehst Du wieder aus!“

Heute wird nicht selten geshoppt bis zum Umfallen. Oder der Kauf wird gleich ins Internet verlegt. Hier werden häufig, da kein Ansehen oder Probieren mög­lich ist und keine Fachberatung erfolgt, verschiedene Größen und Produkte bestellt und die überflüssige Ware zurückgeschickt. Das ist nicht kostenlos, denn es geschieht auf Kosten des Einzelhandels und durch Massen von Auslieferungsfahrten und Verpackungs­müll auch auf Kosten der Umwelt und der Allgemein­heit.

Sich wie im genannten Beispiel also Gedanken zu machen, ob das Produkt wirklich gebraucht wird, das ist Suffizienz in der konkreten Anwendung. Sie liegt allein aufseiten der Verbraucherinnen und Verbrau­cher. Damit werden von Konsumentinnenseite die Bemühungen unterstützt, die wenig Verbrauch von Ressourcen und Energie, Ökologie und Schutz der Umwelt zum Ziel haben. Das ist schonend für die Umwelt und übrigens auch für den Geldbeutel. Das ist Nachhaltigkeit.

Auf einen Kauf zu verzichten, fällt gar nicht so leicht in unserer Alltagskultur. Vorher darüber nachzuden­ken, ob man diesen Gegenstand unbedingt besitzen muss oder jene Dienstleistung den Alltag schöner macht, ist mittlerweile ziemlich aus der Mode gekom­men. Nachhaltig zu verbrauchen ist nicht unbedingt der Trend in unserer Gesellschaft des 21. Jahrhun­derts. Wenn wir jedes Jahr ein neues Smartphone, ein Tablet, einen Fernseher etc. kaufen, werden in der nächsten Zeit schon bald die Rohstoffe für die Produktion dieser elektronischen Geräte zur Neige gehen. Auch eine mit Verknappung verbundene Verteue­rung der Rohstoffe ist nur der Beginn vom Ende der Ressourcen unserer Erde.

Sigrid Lewe-Esch, DEF-Delegierte im vzbv

Vgl. Sie hierzu das Faktenblatt des vzbv zum Verpackungs­müll:

www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/2017/12/20/2017_vzbv_faktenblatt_verpackungsmuell.pdf