Österliches Frauenfrühstück „Von Hasen , Eiern und Auferstehung“

Pfarrerin Barbara Röhm: Zwischen biblischem Osterglauben und überliefertem Brauchtum

Kaufbeuren - Nach einem reichhaltigen Oster-Frühstück - mit frisch gefärbten Ostereiern - begrüßte Helga Ilgenfritz, Vorsitzende des Deutschen Evangelischen Frauenbundes, Ortsverband Kaufbeuren (DEF Kaufbeuren), im Matthias Lauber-Haus die zahlreich erschienenen Frauen. Es handelte sich um die erste Veranstaltung nach den kürzlichen Neuwahlen. Diese beim DEF-Kaufbeuren erstmalig durchgeführte Veranstaltungsart fand eine  gute Resonanz. Nach den thematisch einführenden Worten von Helga Ilgenfritz, zeichnete  Pfarrerin Barbara Röhm, die neugewählte zweite Vorsitzende des DEF Kaufbeuren, mit ihrem Vortrag unter dem Titel „Von Hasen, Eiern und Auferstehung“ den Spannungsbogen zwischen dem biblischen, christlichen Osterglauben einerseits und der davon abzugrenzenden und allgemein  überlieferten österlichen Brauchtumspflege andererseits  rund um das Osterfest auf. Die Referentin stellte zunächst das wundervolle Gedicht von Friedrich Rückert „Am Ostermorgen“ allen weiteren Ausführungen voran um mit den Begriffsbestimmungen und Bezeichnungen das Osterfestes zu vermitteln. So bezeichnen viele Sprachen das Osterfest mit einer Wortableitung aus dem aramäischen pas-cha, das in Anlehnung an das hebräische Wort Pessach steht. In der deutschen Sprache ist die Herkunft des Wortes  „Ostern“ seit jeher nicht ganz eindeutig. So wird beispielsweise „Ostara“angeführt, die als die Frühlingsgöttin bezeichnet wird. Schon eher handelt es sich hier aber um eine Art Ableitung des lateinischen Namens der „Osterwoche“ (hebdomada in albis  oder die „weiße Woche“ in Verbindung mit der Morgenröte (= alba), die auch im althochdeutschen Sprachgebrauch als  „eostarum“ in Erscheinung tritt.

Nach Maßgabe aller Evangelien wird Ostern im „Neuen Testament“  als die Auferstehung Jesu, die vor etwa 2.000 Jahren zeitgenössisch von keinem Menschen beobachtet wurde, bezeichnet. Erst die Folgen der Erweckung mit der nachfolgenden Auferstehung werden den ersten Nachfolgern von Jesu als wahrnehmbar beschrieben: Die Frauen aus seiner Heimat, die zunächst das  Sterben Jesu und dann seine Grablegung noch verfolgen konnten, entdeckten, dass das Grab Jesu urplötzlich leer war. Dabei sollen es Engel gewesen sein, die ihnen die Botschaft von der Auferweckung und Auferstehung Jesu mitteilten um diese Nachricht an  Petrus und an die anderen verbliebenen Jüngern weiterzuleiten. Laut der ältesten überlieferten Version, die im Markus-Evangelium zum Ausdruck kommt, kündigt dort ein Engel zwar ein Wiedersehen mit Jesus in Galiläa an, die Frauen erzählen jedoch aus Furcht niemandem von dieser Begegnung. Damit endet das ursprüngliche Evangelium, die weitere Fortsetzungsgeschichte kam als Zusammenfassung anderer Überlieferungen erst in späteren Zeiten hinzu. Nach dem wohl frühesten christlichen Glaubensbekenntnis wurde Jesus gemäß der Schrift am „dritten Tag“ von den Toten erweckt.

Die Kreuzigung Jesu fand nach Auffassung der Synoptiker, die Vertreter der Evangelien  von Markus, Matthäus und Lukas, am Hauptfesttag des Pessach, dem 15. Nisan, statt. Nach dem Johannes-Evangelium jedoch starb Jesus schon am 14. Nisan zur selben Zeit, als die Pessach-Lämmer im Jerusalemer Tempel geschlachtet wurden. Der Tod Jesu wird somit im Urchristentum in die Leidensgeschichte, andererseits in die Befreiungshoffnung des Volkes Israel eingezeichnet. Die Auferstehung wird auch als die ultimative Bekräftigung dieser Hoffnung mit ihrer Ausweitung auf alle Völker gewertet. Wahrscheinlich gab es eine urchristliche Pessach-Feier, die in enger Beziehung zum Tod Jesu stand. Sein Kreuzesopfer wird als Erfüllung des Vorgangs im Alten Testament gedeutet. Mit dem Blut eines Lammes wurden dort die Türpfosten bestrichen, damit Gott die betreffenden Häuser mit seiner Strafe verschone. Für die Christen war es nun Christus selbst, der - als Lamm geopfert - durch sein Blut eine solche Verschonung bewirkte.

Barbara Röhm ging danach auch auf die österlichen Bräuche ein, beispielsweise auf die Segnung der Speisen, wie diese  in der katholischen Kirche praktiziert wird, auf das Ostermahl, entstanden aus festlichen „Agape-Mählern“, bei denen auch ein „Osterlamm“ verzehrt wurde, das heute als „Osterfrühstück“ wiederbelebt wird.  Auch heidnische Bräuche, germanische und ebenso keltische, haben das Erscheinungsbild des Osterfestes im Zeitlauf der Geschichte und neben der biblischen Osterbotschaft beeinflusst, beispielsweise waren der „Osterhase“ und das „Osterei“ Symbole der altgermanischen Göttin „Ostara“. Im  „Osterfest“ der Gegenwart hat sich vor allem der „Osterhase“ als Sinnbild der Fruchtbarkeit erhalten, obwohl er bei den Christen wohl auch für die Zügellosigkeit stand. Das „Osterei“ jedoch war und ist als Zeichen des Lebens und der Fruchtbarkeit zu definieren, so auch als Sinnbild des neuen, von Gott geschenkten Lebens, es diente allerdings in anderer Bedeutung auch für die Berechnung und Bezahlung von Pacht und Zins. Ein Zahltermin war auch das Osterfest. Auch Küster und Ministranten erhielten aus diesem Anlass den ihnen zustehenden Zins in Form von Eiern.

Beliebte Osterbräuche sind bis in die heutige Zeit überliefert und werden dabei immer noch praktiziert.  Beim „Ostereiertitschen“, nehmen jeweils zwei Spieler ein hart gekochtes Osterei in die Hand. Ein Spieler fängt an und schlägt mit seiner Ei-Spitze auf die Ei-Spitze seines Gegenspielers mit der Absicht, dessen Schale zu zerbrechen.  Das  Ostereierschieben wurde bereits um 1550 erstmals als Eier-Rollen erwähnt. Hartgekochte Eier oder andere halbwegs runde, eierähnliche  Gegenstände werden den Berg hinuntergerollt. Das Spiel hat regional die verschiedensten Varianten. Das „Eierschibbeln“  in Bayern wird  immer noch gerne in kleinerem Umfang betrieben. Hier werden im Garten zwei Latten, gewissermaßen auf eine Art Schiene, die als schiefe Ebene dient, aufgestellt um die Eier herunterrollen zu lassen. Um die Punkte zu zählen, wird auf jedes Ei, das dann in der Wiese liegt, ein Cent gelegt. Wessen Ei das Geldstück von einem anderen Ei schubst, darf das fremde Geldstück behalten. Gewonnen hat am Ende, wer die meisten Gewinne zu verzeichnen hat. Vor allem aus der „Fränkischen Schweiz“ stammt ein Brauch, der auch in anderen Landesteilen wieder belebt wird: Die „Osterbrunnen“, also die Dorfbrunnen  werden am Karsamstag österlich geschmückt. Als „Osterkerze“ wird jeweils eine große Kerze aus gebleichtem Bienenwachs bezeichnet, die nach der Liturgie der westlichen Kirchen zu Beginn der „Osternachtfeier“ am „Osterfeuer“ entzündet wird. Barbara Röhm führte abschließend weiter aus, wie vielfältig  die Osterfeiertage in den verschiedenen Ländern gefeiert werden. Ihr Vortrag endete mit dem Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe: „Osterspaziergang“  - Vom Eise befreit sind Strom und Bäche… . Nach dem Ende des Referats versuchten sich die anwesenden Frauen noch an den einzelnen Osterbräuchen, wie „Ostereiertitschen“ und „Ostereierschieben“.

Aufgrund des Erfolges des ersten österlichen Frauenfrühstücks beim DEF Kaufbeuren soll es eine Neuauflage mit einem anderen Thema bereits im Monat Mai geben.

 

 

 

 

Bildbeschreibung:

 

Pfarrerin Barbara Röhm während ihres Vortrags im Rahmen des österlichen Frauenfrühstücks im Matthias Lauber-Haus