"Suchet der Stadt Bestes!"

Neujahrsbotschaft der DEF-Landesvorsitzenden Inge Gehlert

Ich grüße Sie sehr herzlich zum neuen Jahr 2018, in das wir neugierig, unsicher oder vertrauensvoll hinein­gegangen sind. Wir können nicht wissen, was uns erwartet, aber wir haben Wünsche und Hoffnungen.

Während ich dies schreibe, haben wir noch keine neue Bundesregierung. Die alte Regierung führt die Geschäfte noch weiter, aber wichtige Ent­scheidungen müssen aufgeschoben werden, bis eine neue Regierung bereit ist, Verantwortung zu über­nehmen. Die Koalitionsverhandlungen zu „Jamaika“ sind gescheitert, weil die Parteien und ihre Verant­wortlichen kein Vertrauen zueinander aufbauen konn­ten. Es ist fraglich, ob es zu einer neuen großen Koali­tion kommt, da auch hier das Vertrauen durch den Alleingang des Landwirtschaftsministers in Brüssel stark beeinträchtigt ist.

Vertrauen in der Politik, in der Gesellschaft? Ein ganz wichtiges Gut, das wir für unser Zusammenleben brauchen. 

Wem vertrauen Sie? Es gibt immer wieder Listen, wem die Bürger in einem Staat vertrauen. Früher waren es ganz selbstverständlich die Pfarrer, die Ärzte, die Leh­rer, Polizisten, Politiker und auch Journalisten. Heute ist es nicht mehr so eindeutig. Den Politikern vertrau­en? Auch die „Götter in Weiß“ sind von ihren Thronen verstoßen worden und auch die Pfarrer und die Kirche haben bei vielen Menschen ihre Glaubwürdigkeit ver­spielt. 

Wenn ein Baby geboren wird, ist es ganz wichtig, dass es ein Urvertrauen in seine Bezugsperson auf­baut, das ist meistens die Mutter, aber es kann auch der Vater sein oder eine andere Person, die sich um das Kind kümmert. Nur mit diesem Urvertrauen kann das Kind eine eigenständige Persönlichkeit entwi­ckeln, denn für jeden Menschen ist es wichtig, dass er sich geliebt weiß.

Dann kann das Kind auch selber Vertrauen zu ande­ren Menschen aufbauen, ohne vertrauensselig zu wer­den. Enttäuschungen gehören dazu. Das lernt man im Leben sehr bald, dass nicht alle Menschen gut sind. Auch Kinder gehen nicht immer freundlich mit­einander um. Sie sind kleine Egoisten und müssen erst lernen, zu teilen und Kompromisse zu schließen. Eine gute Streitkultur, die den anderen nicht in seiner Person diffamiert, wenn er anderer Meinung ist.

Diese gute Streitkultur wünschen wir uns auch in der Politik. Keine Partei hat die alleinige Wahrheit.

Bei Jeremia steht: „Suchet der Stadt Bestes“. Das wurde den Juden im Babylonischen Exil gesagt. Sie sollten sich einbringen in die Gesellschaft, als ob sie auf Dauer dort wohnen wollten. Umso mehr sollten wir uns in unserem Staat einmischen und den Ver­antwortlichen zurufen: Suchet der Stadt Bestes bzw. das Beste für den Staat, denn hier geht es um unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Es gibt viele Probleme, die eine gerechte Lösung brau­chen, was nur in einer gemeinsamen Anstrengung gelingen kann. Es sollte nicht sein, dass jede Partei bei den Koalitionsverhandlungen nur auf die nächste Landtagswahl schielt und darauf seine Kompromiss­bereitschaft ausrichtet. Die Wähler sind vielleicht ver­nünftiger, als unsere Politiker es glauben. Wir erwarten eine Politik, die für Gerechtigkeit sorgt und nicht eine Bevölkerungsgruppe gegen die andere ausspielt. Wir erwarten Politiker, die die Wahrheit sagen und einge­stehen können, dass auch sie, im Moment, nicht wissen, welches der beste Weg ist. Das würde ihre Glaubwürdigkeit erhöhen. Weder der Papst noch Par­teiprogramme sind unfehlbar, und viele Probleme, wie Europa, die Flüchtlinge und Migranten, Energie­wende und Klimawandel, um nur einige zu nennen, sind so komplex, dass es auch nicht die eine richtige Lösung gibt.         

Daher sollten wir die Worte des Jeremia bis zum Ende lesen. Dort steht: „und betet für sie zum Herrn. Denn wenn es ihr wohl geht, so geht es auch euch wohl.“

Jeremia appelliert hier an das Vertrauen des Volkes Israel an seinen Gott. Hier ist das Vertrauen gut auf­gehoben, denn Gott wird das Vertrauen nicht ent­täuschen.

Ich wünsche uns allen ein gutes, gesegnetes Jahr 2018.

Inge Gehlert, Landesvorsitzende