Schon viel erreicht, noch viel zu tun

Frauen- und Familienministerin Katarina Barley trifft Vertreterinnen von Frauenverbänden in München

 

Gute Gelegenheiten kommen manchmal schnell und unerwartet, und so bot sich überraschend vor einem Termin der Bundesfamilienministerin Katarina Barley in München anlässlich eines Besuchs der Auer Dult noch die Gelegenheit zu einem Zusammentreffen von Vertreterinnen der Frauenverbände mit der Ministerin. 

Zusammen mit Kolleginnen aus dem Stadtbund Münchner Frauenverbände, dem Juristinnenbund, der Gedok, dem Ingenieurinnenbund, von bpw und der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, auch der Leiterin der Gleichstellungsstelle der Stadt München Nicole Lassal und der einladenden Münchner Bundestagsabgeordneten Claudia Tausend nahmen auch Vertreterinnen des DEF an dem Ad-hoc-Treffen teil. Es wurde über die Digitalisierung und die noch nicht geklärten datenschutzrechlichen Regelungen gesprochen. Wer bekommt die bei jeder Aktion im Netz anfallenden Daten? Welche Einflussmöglichkeiten hat die Politik bei den verwendeten Algorithmen? Wie können Unternehmen, v. a. Soziale Netzwerke, zu mehr Datenschutz verpflichtet werden?

Die Frauenverbände bilden ja in München auch das deutschlandweit größte Bündnis zum Equal Pay Day, und auch in dieser Frage der Lohnlücke und Lohngleichheit sah die Ministerin noch weiteren Handlungsbedarf. Zwar sei man in der zu Ende gehenden Legislaturperiode ein Stück weitergekommen, der Mindestlohn habe auch etwas gebracht, aber der Verdienst von Frauen noch immer um fast ein Viertel geringer als der Durchschnittsverdienst der Männer. Daran müsse weiter gearbeitet werden.

DEF-Landesvorsitzende Inge Gehlert, zusammen mit der Münchner Stadträtin Bettina Messinger auch in der Kommission Familienpolitik des Bayerischen Landesfrauenrates tätig, hatte auch das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf angesprochen und die Forderung der Kommission nach der 30 Stunden Woche, damit beiden Eltern das Zusammenleben mit ihren Kindern wie auch auskömmliche  Arbeit möglich ist. Hier will Katarina Barley die familienfreundliche und für Frauen gute Politik ihrer Vorgängerin Manuela Schwesig weiter voranbringen.

Da sich die Münchner und Bayerischen Frauenverbände auch vielfach für das Thema Parité und somit gleiche Heranziehung von Frauen und Männern auf den Wahllisten stark machen, wurde so kurz vor der Bundestagswahl auch dieses Thema angesprochen. Dabei ist realistischerweise sogar ein Absinken des Frauenanteils im Deutschen Bundestag nach der Wahl zu erwarten, sollten die FDP und die AfD in den Bundestag einziehen.

Auch der reichen Tradition Münchens in der Frauenbewegung wurde anlässlich der fast 100 Jahre Frauenwahlrechts gedacht. Aus München stammte auch die sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete  Toni Pfülf, eine entschiedene Hitlergegnerin. Barley wies darauf hin, dass der Frauenan teil von 9 Prozent im Parlament nach Einführung des Frauenwahlrechts 1919 erst im Jahr 1983 mit dem Einzug der Grünen in den Deutschen Bundestag wieder erreicht werden konnte. Ein Grund mehr, dass wir Frauen aus den Frauenverbänden mehr Frauen in der Politik sehen und in ihrer Arbeit unterstützen wollen.