Die Dachauer Malschule und die Reformation im Dachauer Land

Reformation

Im typischen föhnigen Blau des Voralpenlands erstreckt sich die Ebene bis hin zu den fernen Bergen. Auf halber Strecke lassen sich klein, aber markant in der Bildmitte die Frauentürme oder auch weitere Türme der bayerischen Haupt- und Residenzstadt München ausmachen. Ein Motiv, das von Dachau aus seit Anfang des 19. Jahrhunderts immer wieder gemalt wurde, von den romantischen Landschaftsmalern an.

Der DEF-Ortsverband München besuchte auf seiner herbstlichen Studienfahrt Dachau, und dort die Gemäldegalerie mit ausgesuchten Arbeiten der Dachauer Künstlerkolonie um 1900. Deren Wurzeln in der Münchner Landschaftsmalerei der Romantik wie den Wechselbeziehungen mit Frankreich oder in einem Fall bis sogar in den Orient, dann wieder in das Münchner Künstlermilieu, wo Kandinsky die Abstrakte Malerei erfand, ließen sich in der kleinen, aber feinen Schau studieren.

Den hauptsächlichen Anlass für die Fahrt nach Dachau bildete jedoch die Sonderausstellung im Bezirksmuseum Dachau "500 Jahre Reformation - Zur Geschichte der Protestanten im Dachauer Land". Anhand von sorgfältig zusammengetragenen Stücken aus Pfarrhäusern und Privatbesitz, Schulschautafeln und der eigenen volkskundlichen Sammlung konnte der Weg der Reformation in diesem Schwaben benachbarten Teil Altbayerns nachvollzogen werden. Für die Vermittlung der Reformation in die interessierten Häuser von Stadtbürgern und Bauern im Dachauer Land spielte Augsburg als Reformations- und Friedensstadt sowie bedeutender Verlagsort eine Rolle. Stütz- und Brennpunkte im Dachauer Land waren auch die Hofmark Odelzhausen, wo zwei adelige Besitzer bei fortschreitender Reformation als Ketzer keine Gnade vor der Gegenreformation der Landesherren fanden und hingerichtet wurden, und Johannes Mathesius der Verfasser der ersten Luther-Biographie wurde, oder Altomünster, wo der Humanist Johannes Oekolampadius der Reformation zuneigte.

Weitere Wellen des gegen Widerstände eindringenden Protestantismus waren die Ansiedlung von Mennoniten und evangelischer Pfälzer mit dem Übergang der Landesherrschaft an die Pfälzer Wittelsbacher. Eine besondere Rolle spielten hierbei die evangelischen bayrischen Königinnen.

Kleine Moordörfer mit kargem Brot spielten hier eine Rolle, deren Geschichte durch Ausstellungsstücke, historische Fotografien und Filmausschnitte einer Doku des Südwestfunks über die Pfälzer Auswanderung nach den Glaubens- und Franzosenkriegen lebendig gemacht wurde.

Der Kreis zu den Künstlern der Dachauer Schule schloss sich hinwiederum durch Bezüge zu einigen von ihnen. Am bekanntesten das winterliche Motiv, das Fritz von Uhde gleich mehrmals gemalt hat. Josef führt Maria, ein Paar in ländlicher Kleidung, eine dunkle Moorstraße mit Weiden, einem niedrigen Haus auf der einen und dem typischen Graben auf der anderen Seite fort. Bethlehem hätte auch im Dachauer Moos sein können.

Auch den malerischen Blick auf die Münchner Schotterebene genossen die DEF-Frauen noch von der Dachauer Schlossterrasse aus. Nur die Berge ließen sich bei herbstlicher Bewölkung mit gelegentlichen Sonnenflecken nicht sehen.