Der Bayerische Landesfrauenrat zur #Me Too-Debatte

Aus den Gremien

Auch im Jahr 2018 geht die #MeToo-Debatte weiter!

Sie hat ein enormes Medienecho hervorgerufen und dazu geführt, dass Betroffene über ihre Erfahrungen berichten. In der Bevölkerung hat sie ein Bewusstsein für die Problematik geschaffen. Sie gibt den Betroffenen eine Stimme und zeigt, dass sexuelle Belästigung auch unterhalb der Schwelle der juristischen Strafbarkeit existiert.

Im Rahmen der Kampagne #MeToo berichten zahlreiche (meist) Frauen über ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt und sexueller Belästigung.

Angestoßen wurde die Kampagne durch den Fall des US-Regisseurs Harvey Weinstein. Mehrere Schauspielerinnen hatten im Oktober 2017 öffentlich bekannt gegeben, von Weinstein sexuell belästigt worden zu sein. Der Sachverhalt war Anlass für viele Frauen, sich ebenfalls zu ihren Erfahrungen in Bezug auf sexuelle Belästigung zu äußern.

Daraufhin hat die US-Schauspielerin Alyssa Milano Mitte Oktober 2017 auf Twitter dazu aufgerufen, sich unter #MeToo gegen sexuelle Belästigung zu wehren.

Sie schrieb: „Wenn du sexuell belästigt oder angegriffen wurdest, schreib „Ich auch“ als Antwort auf diesen Tweet“. Durch diese Aktion wurde bekannt, wie weit verbreitet sexuelle Belästigung ist.

Die meisten vernünftigen Menschen dürften gegen sexuelle Gewalt und gegen Sexismus sein. Trotzdem kommt beides in den unterschiedlichsten Bereichen unserer eigentlich zivilisierten Gesellschaft vor.

In den meisten Fällen trifft es Frauen; jedoch immer trifft es mutmaßlich Schwächere, von denen wenig Gegenwehr zu befürchten ist. Sexuelle Übergriffigkeit ist dabei nur ein, aber keineswegs der einzige Ausdruck von Machtmissbrauch.

Warum zelebrieren einzelne Persönlichkeiten die Ausübung von Macht über andere?

Die Antwort ist primitiv: Weil sie es können. Weil ihr großkotziges Auftreten als Führungsfähigkeit fehlgedeutet wird und ihnen Personalverantwortung verliehen hat, die sie niemals hätten bekommen dürfen.

Und, ganz wichtig: Weil ihr Umfeld sie gewähren lässt. Allzu oft wissen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter was läuft. Sie sprechen es nicht an! Aus Feigheit, Bequemlichkeit, vielleicht ja sogar aus der berechtigten Angst, selbst in die Schusslinie zu geraten. Dagegen könnte nur Solidarität helfen.

Die „MeToo“-Kampagne ist ein Versuch, das „Gewährenlassen“ zu unterbrechen, Täter zu benennen und andere auf diese Weise zu einer Risikoabwägung zu zwingen. Sie soll auch den Opfern übergriffiger Machtausübung eine Stimme verleihen, denn Reden hilft, egal ob die Erfahrung nur unschön oder existenzbedrohend war.

Die Debatte geht weiter - und sie ist noch lange nicht am Ende.

Gut so!!

 

Quelle: BayLFR-Info Februar 2018, S.1.